Teure Manöver Bundeswehr baut Beteiligung an Übungen und Manövern aus

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Die Bundeswehr baut ihre Beteiligung an internationalen Manövern in diesem Jahr deutlich aus. Foto: Kay Nietfeld/dpaDie Bundeswehr baut ihre Beteiligung an internationalen Manövern in diesem Jahr deutlich aus. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Osnabrück. Das Nato-Großmanöver in Norwegen Ende Oktober fällt noch größer aus als geplant. Die Bundeswehr schickt nun rund 10 000 Soldaten. Damit beweist sie Stärke und Nato-Verbundenheit. Seit Anfang des Jahres baut die Truppe ihre Beteiligung an internationalen Manövern und Übungen stetig aus.

Für das Gesamtjahr sind rund 300 Millionen Euro Kosten für die Teilnahme eingeplant. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2017 mit 264 Millionen Euro Kosten. Das geht aus einer Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Während im vergangenen Jahr erst 10 160 Soldaten an solchen Übungen teilnahmen, sind in diesem Jahr mindestens 16 000 Soldaten eingeplant.

Nato-Großmanöver

Bis Mitte September beliefen sich die Kosten bereits auf 208 Millionen Euro. Mit den veranschlagten 90 Millionen Euro für das Nato-Großmanöver „Trident Juncture“ (Dreizackiger Verbindungspunkt) vom 25. Oktober bis 23. November in Norwegen summiert sich dies auf rund 300 Millionen Euro. Für die Nato ist dies die größte Militärübung seit Jahren, die der Absicherung der östlichen Bündnispartner gegen Russland dient.

Die Bundeswehr brachte am Mittwoch in Emden 16 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 auf den Weg zur größten Nato-Übung seit Ende des Kalten Krieges. Die mehr als 60 Tonnen schweren Kettenfahrzeuge wurden zusammen mit Dutzenden weiteren Militärfahrzeugen auf ein Transportschiff verladen. Am Donnerstag sollen sie dann in Norwegen ankommen, wo das Nato-Großmanöver „Trident Juncture“ in Kürze startet. Zu der Übung werden rund 50 000 Soldaten erwartet.

Sehen Sie auch das Video zur Verladung der Kampfpanzer

Kritik von Linken

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Sevim Dagdelen kritisierte: „Der neue Ausgabenrekord für Manöver von 300 Millionen Euro dient weder der Völkerverständigung noch Frieden und Sicherheit in Europa.“ Dagdelen nannte es unverantwortlich, dass die Bundesregierung immer mehr Geld für Manöver der Bundeswehr an der russischen Grenze ausgebe. Dies stehe zudem in keinem Verhältnis zu staatlichen Ausgaben in anderen Bereichen. Die Bundestagsabgeordnete sagte: „Es ist bemerkenswert, dass zwar kein Geld für die Sanierung von Schulen oder etwa eine menschenwürdige Pflege da ist, aber für das Säbelrasseln gegenüber Russland schon.“

Ministerium verteidigt Manöver

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte dagegen die Bedeutung des Manövers. Er sagte unserer Redaktion, „Trident Juncture“ sei ein NATO-Manöver, mit dem das Verteidigungsbündnis „lange geplant und angekündigt auf das wiederholt aggressive Verhalten Russlands in den vergangenen Jahren gegenüber seinen Nachbarn reagiert und Einsatzbereitschaft wie auch Reaktionsfähigkeit demonstriert.“ Der Sprecher fügte hinzu: „Die Bundeswehr übernimmt dabei eine herausgehobene und im Bündnis hoch anerkannte Rolle.“ So sei der Beitrag Deutschlands mit 10 000 Soldaten und 4000 Fahrzeugen der zweitgrößte nach den USA.

Unzureichende Ausrüstung?

Berichte, nach denen Bundeswehrsoldaten fürchten müssen, mit unzureichender Ausrüstung in Übungen und Einsätze geschickt zu werden, weist das Verteidigungsministerium zurück. Das Manöver sei „extrem herausfordernd, wird aber durch die beteiligten Truppenteile bisher hervorragend geleistet“, so der Sprecher.

Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), verteidigte das Manöver. Auf die Nato-Übungen „Trident Juncture“ angesprochen sagte Bartels der NOZ, diese Übung sei ein wichtiger Schwerpunkt für die ganze Bundeswehr: „Hier wird an der Wiederherstellung der Fähigkeit zur kollektiven Verteidigung in Europa gearbeitet.“ Bartels fügte hinzu: „Soldaten müssen üben. So kann man Schwachstellen und Probleme identifizieren und daraus lernen.“

Nato hat Strategie geändert

Für den Bündnisfall wurde nach dem Ende des Kalten Krieges lange Zeit weniger intensiv geübt. Nachdem Russland sich 2014 die ukrainische Halbinsel Krim einverleibt hatte, änderte die Nato jedoch ihre Strategie. Vor allem Polen sowie die baltischen Alliierten Litauen, Lettland und Estland fühlen sich von der Politik des großen Nachbarn verstärkt bedroht. Sie fordern Aufrüstung und mehr Abschreckung. Deswegen gilt es auch nicht als Zufall, dass das Manöver in einem Land ausgerichtet wird, das eine gemeinsame Grenze mit Russland hat.


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