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10.10.2018, 18:13 Uhr PFLEGEVERSICHERUNG

Nach der Beitragserhöhung ist vor der Erhöhung.

Kommentar von Uwe Westdörp

Reformaufgabe Pflege: Eine Pflegerin hält die Hand einer Bewohnerin in einem Seniorenzentrum in Velten in Brandenburg. Foto: Christophe Gateau/dpaReformaufgabe Pflege: Eine Pflegerin hält die Hand einer Bewohnerin in einem Seniorenzentrum in Velten in Brandenburg. Foto: Christophe Gateau/dpa

Osnabrück . Die Pflegeversicherung wird im kommenden Jahr teurer. Kritik daran gibt es kaum, denn alle wissen, dass das Geld gebraucht wird. Noch immer gibt es aber kein Gesamtkonzept und keine Antwort auf die Grundsatzfrage, was uns gute Pflege wert ist. Ein Kommentar.

Wie gewonnen, so zerronnen. Kaum ist die Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um einen halben Prozentpunkt beschlossene Sache, da steigt der Beitrag zur Pflegeversicherung um ebendiesen Wert. Allzu sehr ärgern sollte man sich darüber aber nicht, denn für die höheren Beiträge gibt es auch höhere Leistungen, so etwa die Betreuung von Demenzkranken.

Zudem steht außer Frage, dass sich die Verhältnisse deutlich verbessern müssen. Pflege im Minutentakt, überforderte und schlecht bezahlte Mitarbeiter, ein eklatanter Fachkräftemangel – es gibt eine Vielzahl von Missständen und Herausforderungen. Hinzu kommt der demografische Wandel. Die Menschen werden immer älter, damit steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Das heißt: Weitere Beitragserhöhungen sind programmiert.

Um die Beitragszahler nicht zu überfordern, ist es deshalb richtig, auch über Steuerzuschüsse nachzudenken, wie es sie in der Rentenversicherung schon lange gibt. Denn überhöhte Sozialabgaben können fatale Wirkungen auf den Arbeitsmarkt haben.

Fest steht: Die Debatte um Finanzierungsreformen wird nicht abreißen. Bisher sind alle Entscheidungen nur Stückwerk und ist ein nachhaltiges Gesamtkonzept nicht erkennbar. Was ist uns gute Pflege wert? Darauf gibt es noch immer keine Antwort.


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