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10.10.2018, 17:50 Uhr KOMMENTAR ZU DIESELSKANDAL

Die deutsche Politik, Büttel der Autoindustrie

Von Katharina Ritzer


Die Arbeitsplätze, die im Feuer stehen, sind für die Autoindustrie ein ideales Druckmittel in Verhandlungen mit der Politik. Foto: Bernd Weissbrod/dpaDie Arbeitsplätze, die im Feuer stehen, sind für die Autoindustrie ein ideales Druckmittel in Verhandlungen mit der Politik. Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Osnabrück. Die Autoindustrie gerät wegen verschärfter Klimaschutzvorgaben in Europa und weiterer Diesel-Fahrverbote in Deutschland immer stärker unter Druck. Es wird höchste Zeit, dass auch die Politik eine härtere Gangart einlegt. Ein Kommentar.

Für den Bürger gleichen sich die Bilder seit Jahr und Tag: Gibt es mal wieder Probleme mit den deutschen Autobauern, werden die Chefs von einem Minister oder gar der Kanzlerin mit strenger Miene zum Krisengespräch nach Berlin zitiert. Dann steigen Männer in dunklen Maßanzügen vor dem Ministerium oder dem Kanzleramt aus den Top-Modellen ihrer jeweiligen Marke, und wenn sie nach dem Gespräch vor die Kameras treten, können sie maßgeschneiderte Ergebnisse präsentieren – maßgeschneidert für ihre Unternehmen, wohlgemerkt.

Und die Politik? Bittet um Daten, wünscht sich zumindest ein ganz klein bisschen Offenheit, erwartet dies und fordert meist „mit Nachdruck“ das, freut sich über gelegentliche unverbindliche Angebote der Autoindustrie und lässt die Firmen ansonsten machen, was sie wollen. Dazu hat diesen noch immer der Fingerzeig auf die Arbeitsplätze gereicht.

Reichen tut es nun langsam allerdings nicht nur den kalt enteigneten Dieselbesitzern, sondern den meisten Bürgern, egal ob sie Auto, Fahrrad oder Bahn fahren. Die deutsche Politik, die sich in Brüssel bei der Abstimmung über niedrigere Abgaswerte erneut zum Büttel der eigenen Autobauer und zur Lachnummer gemacht hat, muss die Industrie endlich eng an die Kandare nehmen. Auf deren Einsicht oder gar Demut hat sie nun wirklich lange genug gewartet.


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