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10.10.2018, 16:13 Uhr PROTESTE UND REGIERUNGSUMBAU

Frankreichs Präsident Macron ist entzaubert

Von Marion Trimborn


Der französische Präsident Emmanuel Macron in der Krise: Er muss seine Regierung umbilden und ist in den Meinungsumfragen abgestürzt. Foto: Ludovic Marin/AFPDer französische Präsident Emmanuel Macron in der Krise: Er muss seine Regierung umbilden und ist in den Meinungsumfragen abgestürzt. Foto: Ludovic Marin/AFP

Osnabrück. Im zweiten Regierungsjahr läuft es für den viel umjubelten französischen Präsidenten Emmanuel Macron nicht mehr rund. Sinkende Umfragewerte folgen der alten Logik der Entzauberung – aber Macron hat auch selbst Fehler gemacht. Ein Kommentar

Er ist entzaubert. Frankreichs Präsident Macron, vor Kurzem noch als Heilsbringer gefeiert, der die Rechtspopulisten besiegte, ist eineinhalb Jahre nach seiner Wahl auf dem harten Boden der Tatsachen angekommen. Das war vorhersehbar. Denn der jüngste Präsident, den Frankreich je hatte, hat zu viel versprochen – damit musste er scheitern.

Mit seiner neuen Bewegung „En Marche“ wollte Macron links wie rechts sein, ein unmögliches Unterfangen. Oder fehlende Erfahrung? Weil er die Vermögenssteuer abschaffte und die Unternehmenssteuern senkte, ist er als Rechter verschrien. Seitdem sind die Linkswähler, die ihm 2017 ihre Stimme gaben, enttäuscht, seine Umfragewerte stürzen ab.

Zwar konnte Macron wichtige Reformen etwa beim Arbeitsrecht oder dem Umbau der Staatsbahn SNCF durchsetzen, aber die Franzosen empfinden vieles davon als ungerecht.

Zudem nehmen sie Macron, der als arrogant und abgehoben gilt, seinen Regierungsstil übel. Seine Regierung ist in der Krise, seine Vertrauten gehen ihm von der Fahne. Sieben Minister musste er in seiner kurzen Amtszeit schon auswechseln, darunter Stützen wie nun Innenminister Collomb. Auch in Europa zeichnen sich keine Erfolge ab, weil Macron den Partner Deutschland stetig überfordert. Es wird eng für den einstigen Helden.


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