Deutschland unter Aufnahmeländern "Aquarius" übergibt 58 Migranten an Malta – Griechenland leert Insel-Lager

Von dpa

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Eine Familie erreicht nach mehr als einer Woche auf See das maltesische Festland. Foto: dpa/Jonathan Borg/APEine Familie erreicht nach mehr als einer Woche auf See das maltesische Festland. Foto: dpa/Jonathan Borg/AP

Valletta. Das Warten hat ein Ende: 58 im Mittelmeer gerettete Migranten können von Bord des Rettungsschiffs. Deutschland gehört zu den Ländern, die sie aufnehmen werden. Griechenland will die Lage in überfüllten Insel-Camps entspannen und Tausende Migranten aufs Festland bringen.

Das private Rettungsschiff "Aquarius" hat nach fünf Tagen des Wartens 58 Migranten am Sonntagvormittag in internationalen Gewässern an ein Schiff der Küstenwache von Malta übergeben können. Das bestätigte eine Sprecherin der NGO SOS Méditerranée, die zusammen mit der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die "Aquarius" betreibt. Schlechtes Wetter hatte seit Dienstag die Übergabe verzögert.

Die Migranten sollen in den kommenden Tage in vier EU-Länder ausgeflogen werden, die sich zuvor zur Aufnahme bereit erklärt und damit einen Streit über das Schicksal der geretteten Menschen beendet hatten. Neben Deutschland werden auch Spanien, Frankreich und Portugal Migranten aufnehmen. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, zeigte sich gegenüber Malta und den vier anderen EU-Ländern dankbar. Zugleich mahnte es in einer Mitteilung am Sonntag an, solche Absprachen über die aus Seenot im Mittelmeer geretteten Menschen schneller zu treffen. Dies rette Leben, hieß es.

Derweil versuchen Flüchtlinge aus Syrien und Migranten aus anderen Ländern weiterhin, von der Türkei aus griechische Inseln zu erreichen. Mindestens fünf Migranten seien bei einem solchen Versuch in der Ägäis ertrunken, als ihr Boot vor der Küste des westtürkischen Bezirks Sultanice kenterte, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu der Türkei am Sonntag.

Überfüllte Insel-Camps

Griechenland kündigte seinerseits am Wochenende an, etwa 6000 Flüchtlinge aus überfüllten Lager auf den Ostägäisinseln auf das Festland bringen. Die Lage in den sogenannten Hotspots sei "grenzwertig", sagte Migrationsminister Dimitris Vitsas am Sonntag in einem Interview mit der staatlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA-MPA. Bereits in der vergangenen Woche waren nach offiziellen Angaben rund 1000 Migranten und Flüchtlinge zum Festland gebracht worden.

Die Lage hatte sich in den vergangenen Wochen nach der Ankunft zahlreicher neuer Migranten verschlechtert. Am Wochenende befanden sich auf der größten Insel Lesbos rund 10.000 Migranten. Das größte Lager von Moria auf Lesbos mit einer Aufnahmekapazität von 3100 Menschen ist restlos überfüllt. Dort harren zurzeit gut 8000 Migranten und Flüchtlinge aus.

Zurück in die Türkei – aber Personalprobleme

Die EU hatte 2016 mit der Türkei vereinbart, dass alle Migranten, die aus der Türkei zu den Inseln übersetzen und kein Asyl in Griechenland bekommen, in die Türkei zurückgeschickt werden können. Die Bearbeitung der Asylanträge geht jedoch wegen Personalmangels nur mühsam voran. Die "Aquarius" hatte die 58 Menschen und eine Hündin zwischen dem 20. und dem 23. September vor der Küste Libyens aufgenommen. Am Dienstag fiel dann die Entscheidung, sie an Malta zu übergeben. 

Die "Aquarius" war das letzte Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer, nachdem Italien und auch Malta das Einlaufen privater Schiffe mit Migranten untersagt hatten, um illegaler Migration keinen Vorschub zu leisten. Am Samstag kündigte aber die spanische NGO Proactiva Open Arms an, wieder Migranten auf dem Mittelmeer zwischen Italien und Libyen retten zu wollen. "Die Zeit ist gekommen: #Astral kehrt auf das zentrale Mittelmeer zurück", schrieb sie in Anspielung auf eines ihrer beiden Schiffe.


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