Kritik über Islam-Organisation Nach Erdogan-Besuch: Neue Debatte um Moscheeverband Ditib

Von dpa

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (r.) betet bei der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee in Köln mit Imam Ali Erbas. Foto: dpa/Henning KaiserDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (r.) betet bei der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee in Köln mit Imam Ali Erbas. Foto: dpa/Henning Kaiser

Köln. Kaum ist der Staatsbesuch des türkischen Präsidenten in Deutschland beendet, nimmt die Politik den Moscheeverband Ditib wieder in den Blick. Die Islam-Organisation war auch während Erdogans Visite in Köln starker Kritik ausgesetzt.

Nach dem Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Köln nimmt die Debatte über die Islam-Organisation Ditib wieder Fahrt auf. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) warnte vor einer voreiligen Beobachtung des Verbandes, der der türkischen Religionsbehörde in Ankara unterstellt ist und als verlängerter Arm Erdogans in Deutschland gilt. Bei Ditib sei "noch nicht ausgemacht, ob überhaupt und in welcher Form eine Beobachtung stattfinden wird", sagte Reul der "Welt am Sonntag". Dafür müssten "hohe rechtliche Hürden genommen werden". 

Weiterlesen: Versöhnliche Worte und Protestgeschrei – Erdogan eroeffnet Kölner Moschee

Bundestagsvizepräsidenten Claudia Roth sprach sich für einen härteren Umgang mit Ditib aus. Zwar könne man Erdogan nicht verbieten, in Köln eine Ditib-Moschee zu eröffnen. "Aber es zeigt, wie eng Ditib und die Regierung in Ankara verbunden sind", sagte die Grünen-Politikerin der "Saarbrücker Zeitung" (Samstag). Sie finde es richtig, dass der Verfassungsschutz eine Beobachtung von Ditib prüfe. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet forderte die Ditib in einem "taz"-Interview (Samstag) auf, sich wieder auf die theologische, seelsorgerische Arbeit zu konzentrieren und keine Politik zu machen.

Verfassungsschutz prüft laut Medienberichten Beobachtung

Erdogan hatte am Samstag zum Abschluss seines Staatsbesuches in Deutschland die neue Ditib-Zentralmoschee in Köln eröffnet. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) prüft nach Medienberichten eine Beobachtung der Ditib-Zentrale in Köln. Das BfV habe ein Dossier mit Ditib-Informationen an die Länder verschickt, die bis Mitte Oktober Material und eine Stellungnahme übermitteln sollten.

Der Liveblog zum Erdogan-Besuch zum Nachlesen 

Die Ditib war vor dem Besuch des türkischen Staatsoberhauptes in Köln erneut in die Kritik geraten. Sie hatte ein nach Ansicht der Stadt unzureichendes Sicherheitskonzept für die Eröffnung der Zentralmoschee vorgelegt. Daraufhin hatten die Behörden strenge Auflagen erteilt, die Zahl der geladenen Gäste stark eingeschränkt und eine Veranstaltung vor der Moschee untersagt, zu der viele tausend Anhänger Erdogans erwartet wurden.

Am Samstag wurde die Ditib-Zentralmoschee im Kölner Staddtteil Ehrenfeld eröffnet. Foto: dpa/Oliver Berg

Erdogan bezeichnete seine Visite in Berlin und Köln dennoch als gelungen. "Es war ein erfolgreicher Besuch", sagte er in seiner Rede an der großen Ditib-Moschee am Samstagnachmittag. Der Besuch habe die deutsch-türkische Freundschaft vertieft. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe er "wichtige Themen ehrlich besprochen", unter anderem wirtschaftliche Investitionen und wie man "effektiv gegen Rassismus und Islamophobie ankämpfen" könne.

 "Überschattete" Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei

Erdogans Staatsbesuch war allerdings auch begleitet von deutlich weniger versöhnlichen Tönen und Irritationen. Zuletzt hatte er am Freitagabend während des Staatsbanketts Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers Kritik an seiner Menschenrechtspolitik scharf zurückgewiesen und Deutschland seinerseits getadelt.

Auch im Gespräch mit NRW-Ministerpräsident Laschet fielen kritische Worte. Er habe Rechtsstaatlichkeit in der Türkei angemahnt, sagte Laschet nach dem etwas einstündigen Treffen mit Erdogan am Köln/Bonner Flughafen. Die Beziehungen der beiden Länder seien aktuell "überschattet". Das betreffe vor allem Verhaftungswellen, die Presse- und Religionsfreiheit.


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