Kommentar Erdogan in Deutschland: Gelassenheit ist gut

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Der türkische Präsident Erdogan bei einer Kranzniederlerung an der zentralen deutschen Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Diktatur. Die Beziehungen zu seinem Land waren über viele Jahrhunderte von Krieg geprägt. Foto: John Macdougall/AFPDer türkische Präsident Erdogan bei einer Kranzniederlerung an der zentralen deutschen Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Diktatur. Die Beziehungen zu seinem Land waren über viele Jahrhunderte von Krieg geprägt. Foto: John Macdougall/AFP

Osnabrück. Wie allein will Deutschland denn sein in der Welt? Die neue Gelassenheit gegenüber der Türkei ist richtig. Ein Kommentar.

Die Türkei tickt anders als Europa. Die Wurzeln des Rechts, der Gesellschaft und der Kultur sind grundverschieden, um von der Religion gar nicht zu reden. Über Jahrhunderte bestand die Beziehung zueinander primär aus Krieg. Das steht einer heutigen Partnerschaft nicht entgegen, im Gegenteil. Sie wäre ungemein bedeutsam. Partnerschaft kann in diesem Fall allerdings nicht die Identität aller Werte bedeuten. Gefragt sind vielmehr Respekt und Toleranz, auch wenn sie schmerzt.

Wer hysterische politische Debatten und eine gespaltene Gesellschaft beklagt, sollte sich im Fall Erdogan daher selbst prüfen: Warum sind keine Grautöne erlaubt? Stimmt es denn nicht, dass keinem geholfen wäre, wenn die Türkei durch übersteigerte Ablehnung Richtung radikaler Islam getrieben wird? Und wie klug wäre es, neben den Beziehungen zu Russland, den USA und Großbritannien auch die zur Türkei weiter leiden und eskalieren zu lassen? Wie allein will Europa denn sein in der Welt?

Die neuen, gelasseneren Töne in Berlin sind deshalb richtig. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei dem Bankett am Freitag eine ausgezeichnete, ausgewogene und ausgleichende Rede gehalten, die auch jene hätten hören sollen, die dem Abend demonstrativ ferngeblieben sind.

Zu einer Partnerschaft gehört aber auch die Augenhöhe. Und so fragt es sich, warum an diesem Samstag nicht der deutsche, sondern der türkische Präsident die neue Ditib-Zentralmoschee in Köln eröffnet. Noch besser wäre es, sie täten es beide gemeinsam.

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