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28.09.2018, 18:04 Uhr KOMMENTAR

Klimapolitik - besser Ziele erreichen, als stetig neue Ziele zu formulieren

Kommentar von Thomas Ludwig

Windräder drehen sich vor den Kühltürmen eines Kraftwerks im brandenburgischen Jänschwalde. Foto: Patrick Pleul/dpaWindräder drehen sich vor den Kühltürmen eines Kraftwerks im brandenburgischen Jänschwalde. Foto: Patrick Pleul/dpa

Osnabrück. Der globale Klimaschutz steckt in der Krise. Deshalb wollte EU-Kommissar Cañete mit noch höheren Klimazielen ein starkes Signal aussenden. Nun lässt er davon ab - das ist auch besser so.

Brüssel verabschiedet sich vom Plan, das Klimaziel der EU für 2030 offiziell anzuheben. Zu groß war der Widerstand aus zahlreichen Mitgliedsländern, Deutschland zumal. Das ist nachvollziehbar.

Sich immer neue Ziele zu setzen ist gut und schön. Doch ist es kaum zielführend, wenn man sich schwertut überhaupt die alten zu erreichen. Man kann zudem nicht dauernd davon reden, die Industrie nicht über Gebühr strapazieren zu wollen, und sie dann doch mit immer neuen Grenzwerten überziehen.

Die Wirtschaft sollte den Rückzug der EU aber nicht als Freibrief verstehen, sich auf bequemen Niveau auszuruhen. Die nächste Klimazielverschärfung kommt bestimmt. Bis dahin sollte die Industrie schon im eigenen Interesse den Ausstoß von Schadstoffen senken, indem sie die Energieeffizienz erhöht und den Stromverbrauch senkt. Deutschland will Innovationstreiber sein. Das ist die Gelegenheit, Know How und Ehrgeiz international unter Beweis zu stellen. Ansonsten ergeht es der deutschen Industrie wie dem Hasen im Rennen mit dem Igel – und die Vorreiter kommen, wie einst bei der Elektromobilität, wieder aus Asien.

Die gesetzlich festgelegten Maßnahmen zum Energiesparen und zum Ausbau erneuerbarer Energien haben eine Menge Potenzial. Sie endlich umzusetzen, brächte Europa den existierenden Klimazielen näher.


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