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27.09.2018, 18:10 Uhr KOMMENTAR

Erdogans Schlappe zu Beginn seines Deutschland-Besuchs

Von Thomas Ludwig


Ankunft in Berlin: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine Frau. Foto: Uwe Koch/Eibner/ImagoAnkunft in Berlin: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine Frau. Foto: Uwe Koch/Eibner/Imago

Osnabrück. Die Türkei blitzt bei der Vergabe der Fußball-EM 2024 ab. Zu Recht. Ein Regime, dass die Bürgerrechte mit Füßen tritt und das Land systematisch herunterwirtschaftet sollte nicht auch noch belohnt werden.

Lange hat es keinen Staatsbesuch mehr in Deutschland gegeben, der so von Emotionen flankiert ist, wie jener des türkischen Präsidenten. Das ist infolge seiner despotischen Politik auch berechtigt. Zudem leben hierzulande gut drei Millionen Türkischstämmige; was in Ankara passiert, findet entsprechend Widerhall.

Umso wichtiger ist es, Recep Erdogan ins Bewusstsein zu rufen, dass Deutschland hinter all jene Türken steht, die in Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz ihr Leitmotiv sehen. Erdogan mit Respekt zu empfangen steht dem nicht entgegen. Und deshalb ist es auch in Ordnung, wenn er zur Eröffnung einer Moschee vor Landsleuten spricht.

Politik ständiger Provokation zahlt sich nicht aus

Lange dachte Erdogan, er könne es sich mit dem Westen verscherzen. Sein Land kann sich das ökonomisch aber nicht leisten. Der Sultan faselt von türkischer Ehre und Größe und führt die Türkei ins Abseits. Das dürfte mit ein Grund gewesen sein, warum sie bei der Fußball-EM 2024 leer ausgeht. Es sollte ihm eine Lehre sein. Politik ständiger Provokationen zahlt sich nicht aus.

Nur ein Entspannungsprozess wird Erdogan aus der Bredouille helfen. Ist es ihm ernst damit, muss er als ersten Schritt des Entgegenkommens all jene Inhaftieren frei lassen, die nur unter Terrorverdacht stehen, weil sie Ankaras Allmacht ablehnen.


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