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26.09.2018, 17:45 Uhr KOMMENTAR ZUM DIESELSKANDAL

Die Politik und die Autoindustrie: Gestörtes Rechtsempfinden

Von Katharina Ritzer


Schöner Schriftzug, mieses Image: Auch drei Jahre nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals ist offen, wie die Autoindustrie die Verbraucher entschädigen will. Foto: Federico Gambarini/dpaSchöner Schriftzug, mieses Image: Auch drei Jahre nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals ist offen, wie die Autoindustrie die Verbraucher entschädigen will. Foto: Federico Gambarini/dpa

Osnabrück. Vor drei Jahren wurden die Schummeleien der Autobauer bei Dieselfahrzeugen publik, mit der Aufarbeitung des Skandals und vor allem der Entschädigung der Kunden ist man aber noch keinen entscheidenden Schritt weiter. Der von der Politik teils mitgetragene Vorschlag der Autoindustrie, die Verbraucher bei der Umrüstung selbst zur Kasse zu bitten, ist nicht nur abwegig, sondern offenbart schlicht ein gestörtes Rechtsempfinden. Ein Kommentar.

Auf so eine Idee kann man wohl nur im ministeriellen Dienstwagen der Oberklasse samt Chauffeur kommen: Um die zwar dreckigen, aber ja keineswegs alten Diesel sauberer zu bekommen, sollten nicht etwa effektive Filter nachgerüstet werden – nein, der Verkehrsminister hat im Gleichschritt mit der Autoindustrie auf eine „Flottenerneuerung“ gesetzt: Die Bürger sollen doch bitteschön einfach alle einen nagelneuen sauberen Diesel kaufen, Problem gelöst. Wer je wissen wollte, wie weit sich die große Politik von den normalen Menschen entfernt hat, der erhält hier Anschauungsunterricht. 

Nachdem der Politik endlich gedämmert hat, dass die meisten Menschen schon froh sind, wenn sie sich überhaupt einen Gebrauchtwagen leisten können, musste eine andere Lösung her. Und was hat die Autoindustrie angeboten? Nur eine billige Nachrüstung der Software, die aber nicht viel bringt. Alle weiteren Forderungen lehnen die Autobauer empört ab, viel zu teuer. Und wenn, dann könne das ja wohl die Allgemeinheit bezahlen oder die Dieselfahrer müssten zumindest einen saftigen Eigenanteil berappen. Ja, geht´s noch?

Nur zur Erinnerung: Die Autoindustrie hat ihre Kunden betrogen. Und deshalb muss die Autoindustrie die Nachrüstung der Hardware auch bezahlen. Allein die bloße politische Debatte über irgendeine mögliche Entlastung der kriminellen Konzerne ist schon eine Zumutung für das Rechtsempfinden der Menschen.


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