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26.09.2018, 17:19 Uhr KOMMENTAR

Spahns Vorstoß für Kassenpatienten: Warten bis der Arzt kommt

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Wartezeiten für Kassenpatienten verkürzen. Foto: Sebastian Kahnert/dpaBundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Wartezeiten für Kassenpatienten verkürzen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Osnabrück. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) prescht vor: Er will den Wartezeiten auf einen Arzttermin mit einem neuen Gesetz an den Kragen. Das Kabinett hat ihn bereits abgesegnet. Unter anderem sollen Kassenärzte mehr Sprechstunden anbieten. Eine gute Idee? Vielleicht. Doch die großen Probleme lässt Spahn weiterhin links liegen.

Dass Gesundheitsminister Jens Spahn Ärzte zu mehr Sprechstunden für Kassenpatienten verpflichten will, klingt großartig. 25 statt 20 Stunden pro Woche sind immerhin ein Viertel mehr. Zudem sollen Ärzte Extraleistungen wie Notfälle oder Neupatienten auch extra bezahlt bekommen. Alles gut also? Mitnichten.

Spahn fordert das ein, was bei Hausärzten längst Usus ist. Wenn nun auch HNO- oder Augenärzte ihre Sprechstunden aufstocken, mag das im Einzelfall gut sein. Am verkorksten System ändert es nichts. Dafür müsste Spahn andere Probleme anpacken. Zuvorderst den Ärztemangel. Immer noch sind Zugangsvoraussetzungen für das Medizinstudium absurd realitätsfremd, etwa der Numerus clausus. Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass ein Einserabitur wenig darüber aussagt, ob derjenige für den Arztberuf geeignet ist. Außerdem ist die Ausbildung kaum durchlässig. Wo bleiben Qualifizierungsangebote für Pflegekräfte? Auch beim Honorar liegt der Fehler im System. Solange Ärzte für die gleiche Leistung unterschiedlich bezahlt werden, je nachdem, ob sie Kassen- oder Privatpatienten behandeln, bleibt es unfair. Fehlt noch die Bürokratie: Je mehr Zeit ein Arzt mit Papierkram verbringt, desto weniger bleibt den Patienten.

Das Fazit: Will Spahn grundlegend etwas verbessern, muss er nachliefern.


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