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24.09.2018, 18:17 Uhr KOMMENTAR

Missbrauch in der Kirche: Studie nur der Anfang

Kommentar von Uwe Westdörp

Besorgte Gesichter auf der Bischofskonferenz in Fulda: Kardinal Reinhard Marx (r), Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Erzbischof Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius, unterhalten sich zu Beginn der Herbst-Vollversammlung miteinander. Foto: Arne Dedert/dpaBesorgte Gesichter auf der Bischofskonferenz in Fulda: Kardinal Reinhard Marx (r), Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Erzbischof Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius, unterhalten sich zu Beginn der Herbst-Vollversammlung miteinander. Foto: Arne Dedert/dpa

Osnabrück. Die katholische Kirche tut sich nach wie vor schwer, die Fälle sexuellen Missbrauchs vollständig aufzuarbeiten. Noch immer mangelt es an der notwendigen Transparenz. Doch nur schonungslose Offenheit wird die Opfer zufriedenstellen und der Kirche helfen, die Vertrauenskrise zu überwinden. Ein Kommentar.

Nein, überraschend sind die Ergebnisse der neuen Missbrauchsstudie nicht. Seit Jahren gibt es immer neue Enthüllungen über sexuelle Übergriffe in der katholischen Kirche. Alles andere als das jetzt vorliegende Resultat wäre eine Überraschung gewesen. Erschütternd ist es gleichwohl.

Die von den Bischöfen in Auftrag gegebene Studie ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Ende der notwendigen Aufklärung bedeutet sie aber noch lange nicht. So mangelt es nach wie vor an der notwendigen Transparenz. Ein Beispiel: Die beteiligten Wissenschaftler konnten die Kirchenakten nicht direkt einsehen, sondern mussten sich auf das verlassen, was Kirchenmitarbeiter in Fragebogen offenbarten.

Auch sind offenbar nicht alle in Frage kommenden kirchlichen Einrichtungen erfasst worden. Und es bleibt unklar, ob Täter oder Kirchenführer zur Verantwortung gezogen worden sind oder nicht. Aufklärung sieht anders aus.

Die vielen offenen Fragen sind eine Qual für die Betroffenen, die Gerechtigkeit erwarten. Und sie behindern den Neustart der Kirche, die seit Jahren in der Vertrauenskrise steckt.

Es ist deshalb ein guter Vorschlag, wenn der Missbrauchsbeauftragte Rörig ein staatliches Eingreifen verlangt. Nicht mal ein Recht auf Akteneinsicht haben Opfer heute. Das kann so nicht bleiben.


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