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16.09.2018, 16:42 Uhr KOMMENTAR ZUR KOHLEKOMMISSION

Früherer Kohleausstieg? Ausgerechnet Pofalla...

Kommentar von Katharina Ritzer

Mit übertriebenem Tempo ist Kanzlerin Angela Merkel in Sachen Energiewende noch nicht aufgefallen. Nun bringt ihr Getreuer Ronald Pofalla als Co-Vorsitzender der Kohlekommission Schwung in die Debatte - aus Kalkül? Foto: dpaMit übertriebenem Tempo ist Kanzlerin Angela Merkel in Sachen Energiewende noch nicht aufgefallen. Nun bringt ihr Getreuer Ronald Pofalla als Co-Vorsitzender der Kohlekommission Schwung in die Debatte - aus Kalkül? Foto: dpa

Osnabrück. Für Irritationen hat Ronald Pofalla, der nicht nur Bahnvorstand sondern auch Co-Vorsitzender der Kohlekommission ist, gesorgt. Bereits zwischen 2035 und 2038 könnten die letzten Kohlekraftwerke vom Netz gehen, schlägt er vor. Dass ausgerechnet ein Getreuer von Kanzlerin Merkel, die bislang nicht mit übertriebenem Eifer bei der Energiewende aufgefallen ist, erstaunt. Aber vielleicht war genau die nun entstandene Unruhe kalkuliert. Ein Kommentar.

Wenn Angela Merkel nicht mehr weiterweiß, dann macht sie einen Arbeitskreis. Aktuell tagen mehr als 20 Expertenkommissionen mit einer thematischen Bandbreite von der Hartz-Kommission über die Kommission zur Finanzierung Lebenslangen Lernens oder die Reform des Versicherungsvertragsrechts bis hin zur Entwicklung eines Verfahrens für die Festsetzung von Atomendlagerstandorten. Von all diesen Kommissionen hört man wenig bis nichts, sie sind Teil des in Watte gepackten und maximal geräuschgedämmten Regierungsstils von Angela Merkel.

Umso erstaunlicher, dass nun ausgerechnet der Merkel-Getreue Ronald Pofalla als einer von vier Vorsitzenden der Kohlekommission aufhorchen lässt mit der Ansage, für die Verstromung aus Kohle könne bis 2035 oder spätestens 2038 komplett Schluss sein. Im Chor heulen da die höchst unterschiedlichen Mitglieder der Kommission auf: Die Energieriesen RWE aus Nordrhein-Westfalen und Leag aus der Lausitz, aber auch Greenpeace und die beteiligten Landesregierungen singen mit komplett unterschiedlichen Zielen dennoch das wortgleiche Klagelied, wonach noch gar nichts besprochen oder gar beschlossen sei. Böser, böser Pofalla.

Wenn aber alle Seiten derart jammern, dann hat Pofalla etwas richtig gemacht. Und sei es nur, dass der Bahnvorstand Schwung in die Debatte bringt – mit Merkels Schlafwagen-Politik wird die Energiewende nämlich nicht zu schaffen sein.


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