Ein Bild von Stefanie Witte
12.09.2018, 18:05 Uhr KOMMENTAR

So viel Arroganz: Bischöfe wütend über geleakte Missbrauchsstudie

Kommentar von Stefanie Witte

Die Bischöfe sind wütend – nicht wegen der Studienergebnisse, sondern weil die Zahlen vorab veröffentlicht wurden. Foto: dpaDie Bischöfe sind wütend – nicht wegen der Studienergebnisse, sondern weil die Zahlen vorab veröffentlicht wurden. Foto: dpa

Osnabrück. Geht‘s noch? Da gelangen Ergebnisse der Studie über Missbrauch in der katholischen Kirche an die Öffentlichkeit und die Deutsche Bischofskonferenz reagiert, indem sie sich offiziell verärgert zeigt, dass Medien die Ergebnisse vorab veröffentlichen. Ein Kommentar.

Die Bischöfe tun sogar so, als sei es moralisch verwerflich, aus der Studie zu zitieren –der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz bezeichnet die verfrühte Veröffentlichung „gerade mit Blick auf die Betroffenen“ als schweren Schlag. So wenig Einfühlungsvermögen und so viel Arroganz passen leider zu den erschreckenden Ergebnissen der Studie, die von tausendfachem Missbrauch spricht. Wahrscheinlich gibt es noch wesentlich mehr Fälle. Immerhin wurden Akten vernichtet und manipuliert. Eine Dunkelfeldstudie fehlt.

Gleichzeitig fürchten die Wissenschaftler, dass es auch künftig zu Missbrauch kommen wird. Täter wurden demnach nicht konsequent bestraft, sondern häufig einfach versetzt. Da helfen auch Beteuerungen von Kirchenfunktionären, Prävention habe überall Priorität, nichts.

Wenn sich die Bischöfe in zwei Wochen erst in Deutschland und im Frühjahr im Vatikan mit dem Thema beschäftigen, wird es mehr brauchen, als Lippenbekenntnisse. Maximale Transparenz und ein echter Kulturwandel müssen folgen. Ansonsten verlieren die Bischöfe ihre Glaubwürdigkeit.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN