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11.09.2018, 17:23 Uhr KOMMENTAR

Kirchliches Arbeitsrecht: Ein neues Kapitel

Kommentar von Stefanie Witte

Der Europäische Gerichtshof urteilte am Dienstag im Falle eines wiederverheirateten katholischen Arztes. Foto: dpaDer Europäische Gerichtshof urteilte am Dienstag im Falle eines wiederverheirateten katholischen Arztes. Foto: dpa

Osnabrück. Wie erwartet stärkt das oberste europäische Gericht die Rechte kirchlicher Arbeitnehmer. Gut so! Die Richter vermuten Diskriminierung im Falle eines katholischen Arztes, der nach einer Scheidung wieder geheiratet hatte und gekündigt worden war.

Auch wenn die Bischöfe murren – das Urteil könnte eine Chance für die Kirche sein, die Arbeitnehmer ungleich behandelt: Den Chefarzt-Posten hätte auch ein Protestant übernehmen können. Für den hätten andere Regeln gegolten. Also kann der Job nicht am katholischen Lebenswandel hängen. Sicher - die Kirchen haben einen verbrieften Sonderstatus im Arbeitsrecht. Und es leuchtet ein, dass ein Pfarrer oder der Pressesprecher eines Bistums kein überzeugter Atheist sein sollte. Aber ist es im OP wirklich relevant, ob ein Arzt in zweiter Ehe lebt, selbst wenn er katholisch ist?

Es wird immer schwieriger, den hohen Anspruch der Kirchen auf allen Ebenen und in allen Einrichtungen durchzuhalten. Doppelmoral und Absprachen hinter vorgehaltener Hand sind die Folge - was auch nicht im Sinne der Kirche sein kann.

Immerhin ist seit der Kündigung des Arztes 2009 einiges passiert. Strenge Loyalitätsanforderungen gelten nur noch für verkündigungsnahe Berufe. Doch vieles bleibt ungeklärt und unscharf. So könnte das Urteil die Chance einer weiteren Öffnung bieten. Immerhin sollten die Kirchen nicht vergessen, dass die Zahl der Gläubigen kontinuierlich abnimmt und der Fachkräftemangel gleichzeitig wächst.


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