Nach rechtem Trauermarsch am Sonntag Köthen: AfD-Demo beendet – Autobrände in der Innenstadt

Von dpa, 10.09.2018, 21:11 Uhr
Die Feuerwehr löscht ein brennendes Auto in der Innenstadt von Koethen. Foto: Matthias Strauß/dpa

Köthen/Magdeburg. In Köthen ist ein 22-Jähriger gestorben. Tatverdächtig sind zwei Afghanen. Rechte instrumentalisieren den Tod für ihre Zwecke.

Nach einem Streit mit mutmaßlich tödlichem Ende haben sich am Montagabend im sachsen-anhaltischen Köthen nach Polizeiangaben bis zu 550 Menschen an einem weiteren sogenannten Trauermarsch beteiligt. 

Nach einer Schweigeminute und einer kurzen Kundgebung auf dem Markt zogen die Teilnehmer durch die Innenstadt zu dem Spielplatz, wo sich der Streit ereignet hatte. Dort wurde ein Kranz der AfD Sachsen-Anhalt im Gedenken an einen 22 Jahre alten Deutschen niedergelegt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.

Liveblog zum Nachlesen: AfD-Demo in Koethen offiziell beendet 

Der AfD-Abgeordnete Hannes Loth hatte die Demonstration am Montag unter dem Titel "Wir trauern" angemeldet. Er betonte, man wolle gemeinsam trauern, und sprach sich gegen Gewalt aus. Zu den Demo-Teilnehmern gehörten AfD-Landtagsfraktionschef Oliver Kirchner und Ex-Landeschef André Poggenburg. Nach knapp einer Stunde erklärte Loth die Veranstaltung für beendet und die Menschen verließen den Versammlungsort.

Großaufgebot der Polizei

Über der Stadt mit gut 26.000 Einwohnern kreiste ein Hubschrauber. Eine Reiterstaffel der Polizei ritt durch die Innenstadt. Auch ein Wasserwerfer war vor Ort. Nach Angaben von Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) sollten mehrere Hundert Beamte in der Stadt sein.

Die Polizei sprach nach ersten Erkenntnissen von einem eher friedlichem Verlauf. Unklar war zunächst, ob Brände an Fahrzeugen im Zusammenhang mit dem Geschehen stehen. Fünf Fahrzeuge waren laut Polizei am Nachmittag in der Nähe eines Schwimmbades beschädigt worden. Nach Angaben einer Polizeisprecherin stand noch nicht fest, ob ein technischer Defekt Auslöser war oder Brandstiftung.

Der AfD-Landtagsabgeordnete Hannes Loth (r.) hatte die Demo in Köthen am Montagabend organisiert. Der Marsch endete an der Trauerstelle, wo am Sonntag ein 22-jähriger Deutscher mutmaßlich getötet wurde. Foto: dpa

Tags zuvor waren bei einer ersten Spontandemonstration in der Stadt rund 2500 Menschen zusammengekommen. Unter den Demonstranten waren nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zwischen 400 und 500 Rechtsextreme aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen, wie Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte.

Erste Ermittlungsergebnisse

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler kam es in der Nacht zu Sonntag an einem Spielplatz in Köthen zu einem Streit zwischen mindestens zwei afghanischen Staatsbürgern auf der einen und mindestens zwei deutschen Staatsbürgern auf der anderen Seite. Am Ende war ein 22-jähriger Deutscher tot, er starb nach Behördenangaben an Herzversagen

Dem Obduktionsergebnis zufolge seien seine Verletzungen nicht die Todesursache gewesen, sagte Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU). Auch Verletzungen, die von Tritten oder Schlägen gegen den Kopf herrührten, hätten nicht festgestellt werden könen. Der Staatsanwaltschaft zufolge sind die Ermittlungen noch nicht weit genug, um Details zum Geschehen bekannt zu geben.

Kerzen und Blumen auf dem Spielplatz, wo ein 22-Jähriger nach einem Streit in einer Männergruppe verstarb. Foto: dpa

Zwei 18 und 20 Jahre alte afghanische Staatsbürger sitzen wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft. Beide kamen nach Behördenangaben als unbegleitete Minderjährige nach Sachsen-Anhalt, sind aber inzwischen volljährig. Der ältere Verdächtige hätte laut Stahlknecht schon seit Monaten abgeschoben werden sollen. Das scheiterte jedoch zunächst am grünen Licht der Staatsanwaltschaft, die gegen den Mann in einem anderen Fall wegen Körperverletzung ermittelte.

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Nach dem Köthener Fall warnte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) davor, aus der Kleinstadt ein zweites Chemnitz zu machen. Dort war vor zwei Wochen bei einem Streit unter Männern ein Deutscher mutmaßlich erstochen worden – die Verdächtigen kommen aus Syrien und dem Irak. Seither kommt es in der Stadt immer wieder zu rechten Demonstrationen.

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In Köthen meldete der AfD-Abgeordnete Hannes Loth für den Abend eine Demo mit mehreren hundert Teilnehmern unter dem Titel "Wir trauern" an, wie der Landkreis mitteilte. Die Polizei wird nach Angaben von Stahlknecht mit mehreren Hundert Kräften präsent sein.

Zehn Anzeigen nach erster Kundgebung 

In dieser Größenordnung sei auch schon die Kundgebung am Sonntagabend abgesichert worden. Man habe im Zuge des sogenannten "Trauermarschs" zunächst zehn Anzeigen aufgenommen, sagte Landespolizeidirektorin Christiane Bergmann. Dabei gehe es etwa um Volksverhetzung, Beleidigung oder Körperverletzung. Bei einer Kundgebung sei ein offenes Mikrofon von der rechtsextremen Szene belegt worden.

"Wir werten aus, was da an rechten Parolen gegrölt wurde", sagte Stahlknecht. Gleichzeitig warnte er davor, alle Demoteilnehmer unter Generalverdacht zu stellen. "Wir sollten akzeptieren, dass Menschen auch friedlich ihre Betroffenheit zum Ausdruck bringen wollen." Einige Teilnehmer fern des rechtsextremen Spektrums hätten den Parolen widersprochen, andere allerdings auch applaudiert. Stahlknecht rief alle zur Besonnenheit auf und betonte: Der Staat werde alle Mittel einsetzen, um die Tat in Köthen aufzuklären – aber auch "alles tun, damit Betroffenheit auch Betroffenheit bleibt."

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