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09.09.2018, 21:06 Uhr WAHL IN SCHWEDEN

Probleme zu lange ignoriert

Kommentar von Manuel Glasfort

Diese Wähler geben in Stockholm ihre Stimmen ab. Foto: Hanna Franzen/dpaDiese Wähler geben in Stockholm ihre Stimmen ab. Foto: Hanna Franzen/dpa

Osnabrück Die Schwedenwahl ist ein Menetekel für Europas Sozialdemokraten. Rechtspopulisten feiern Wahlerfolge, während den Mitte-Links-Parteien die Wähler davonlaufen – dieser europaweite Trend hat nun auch das einstige Musterland der Sozialdemokratie erfasst.

Der Erfolg der rechten Schwedendemokraten in dem auf Ausgleich und Konsens bedachten Land ist nicht ohne die Migrationskrise zu verstehen. Auf deren Höhepunkt nahm das 7,5-Millionen-Einwohner-Land 160000 Asylbewerber auf. Anders als die Regierung in Berlin zog Rot-Grün in Stockholm zeitig die Notbremse und schloss die Grenzen, auch das Asylrecht wurde drastisch verschärft. Der Kursschwenk hat die Sozialdemokraten nicht gerettet, höchstens den totalen Absturz verhindert.

Sie und die anderen etablierten Parteien in Europa stehen vor der Herausforderung, die Zuwanderungspolitik so auszurichten, dass sie nicht nur auf Parteitagen mehrheitsfähig ist. Wie in Deutschland haben auch in Schweden die Mitte-Parteien die Schattenseiten von Massenzuwanderung lange ignoriert und tabuisiert. Die Folgen: Gettobildung, Bandenkriminalität und Krawallnächte in den Vorstädten – und der Aufstieg der Schwedendemokraten.

Gegen sie eine Regierung zu bilden wird nun schwierig. Gut möglich, dass die Partei – wie ihr Pendant in Dänemark – zur Stütze einer Minderheitsregierung wird.


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