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09.09.2018, 15:24 Uhr KOMMENTAR

Offensive auf Idlib: Katastrophe mit Ansage

Kommentar von Maik Nolte

Die Luftangriffe auf die Rebellenhochburg Idlib haben auch eine Klinik getroffen. Foto: AFPDie Luftangriffe auf die Rebellenhochburg Idlib haben auch eine Klinik getroffen. Foto: AFP

Osnabrück. Vor der erwarteten Großoffensive syrischer Truppen wird die Rebellenhochburg Idlib massiv bombardiert. Die UN befürchten eine humanitäre Katastrophe - abwenden lassen wird sie sich nicht. Denn wer soll Syrien, Russland und den Iran vom Angriff abhalten, wenn sie selbst ihren Verbündeten Erdogan auflaufen lassen? Ein Kommentar.

Vorhang auf zum – zumindest vorläufigen - Schlussakt der Tragödie in Syrien. Staatschef Bashar al-Assad und seine Verbündeten in Moskau und Teheran sind wild entschlossen, mit der Eroberung des letzten großen Widerstandsnestes den militärischen Sieg zu erringen – und nichts und niemand wird sie davon abbringen. Der Westen nicht, der in Syrien schon lange nichts mehr zu melden hat. Die Vereinten Nationen nicht, deren Lösungsvorschläge immer hilfloser und weltfremder ausfallen. Und auch die Türkei nicht. Präsident Recep Tayyip Erdogan schwingt sich nach dem gescheiterten Gipfel in Teheran mit markigen Worten zum Retter der Unschuldigen auf, aber was will er denn machen? An der Seite der Nusra-Dschihadisten die syrischen Regierungstruppen mit Waffengewalt aufhalten? Wohl kaum. Die Grenzen öffnen, um so viele Zivilisten wie möglich zu retten? Schwer vorstellbar. Das zarte Bündnis mit Russland und dem Iran aufkündigen? Dann säße er international endgültig zwischen allen Stühlen.

Dass Erdogan den „Geist von Astana“ beschwört, also auf die letztjährigen Friedensgespräche unter Einbeziehung der Rebellen verweist, klingt ja ehrenwert. Nur haben diese Gespräche offensichtlich nichts gebracht. Es mutet ja schon fast wie ein Treppenwitz an, dass Russland, die Türkei und der Iran Idlib damals zu einer gemeinsamen Schutzzone erklärt hatten. Nun erklärt der russische Außenminister Sergej Lawrow die Provinz zur „Eiterbeule“.

Nein, machen wir uns nichts vor: Es ist eine Katastrophe mit Ansage. Startet die erwartete Offensive auf Idlib, wird die Welt wieder ohnmächtig zuschauen. Das Vorgehen wird hier und da verurteilt werden, es werden Appelle geäußert und Protestnoten versandt werden – am Ende hoffen aber alle insgeheim, dass der Albtraum dann wenigstens bald ein Ende haben wird. Allzu groß ist diese Hoffnung aber nicht. Denn der Machtpoker in Syrien geht weiter. Die Kurdenfrage etwa ist noch lange nicht gelöst.


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