Ein Bild von Thomas Ludwig
07.09.2018, 16:31 Uhr KOMMENTAR

Sieg Assads ist nur noch eine Frage des Blutzolls

Kommentar von Thomas Ludwig

Nach einem Luftangriff: Weißhelme bergen einen Toten aus den Trümmern eines Hauses in Kafr Ain im Süden der Provinz Idlib. Foto: Anas Al-Dyab/AFPNach einem Luftangriff: Weißhelme bergen einen Toten aus den Trümmern eines Hauses in Kafr Ain im Süden der Provinz Idlib. Foto: Anas Al-Dyab/AFP

Osnabrück. Nach der letzten Schlacht um Idlib wird Syriens Machthaber Assad als militärischer Sieger beim Krieg in seinem Land vom Platz gehen. Deshalb wird es auch keine Friedenslösung an ihm vorbei geben - ob es den Europäern passt oder nicht.

Was der moderne Mensch an zivilisatorischen Errungenschaften im Laufe von Generationen erworben hat, ist in Syrien verloren gegangen. Gut sieben Jahre Krieg haben Hunderttausende Tote gefordert. Millionen Menschen sind ins Ausland geflohen. Die Infrastruktur liegt großteils in Schutt und Asche.

Nun also die Schlacht um Idlib. Von einer drohenden humanitären Katastrophe zu sprechen, ist irreführend. Denn die humanitäre Katastrophe ist längst Realität. Die Interessen Russlands, des Irans und der Türkei in der Region haben die Lage in Syrien über Jahre beständig verschlimmert.

Blutige Dynamik nicht aufzuhalten

Syriens Machthaber Baschar al-Assad ist nun wild entschlossen, die letzte Rebellenhochburg zurückzuerobern. Offen ist, wie hoch der Blutzoll unter den Zivilisten ausfallen wird. Es klingt zynisch, doch zu viele Akteure mischen in dem Krieg mit, als dass die von ihnen in Gang gesetzte Dynamik die Bevölkerung tatsächlich verschonte.

Assad wird als militärischer Sieger vom Platz gehen. Deshalb wird es auch keine Friedenslösung an ihm vorbei geben. Das mag den Europäern passen oder nicht. Seine Wiederaufbauhilfe freilich sollte der Westen durchaus an Bedingungen knüpfen. Dazu gehören: Garantien für zurückkehrende Flüchtlinge, Einbeziehung der Opposition in eine politische Zukunft sowie die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen. Eine Illusion?

Weitere Kommentare aus dem Bereich Politik und Wirtschaft finden Sie hier.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN