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06.09.2018, 11:58 Uhr KOMMENTAR

Seehofer und die Herrschaft des Hasses

Kommentar von Burkhard Ewert

Funktioniert der Diskurs in der Gesellschaft nicht, schadet es der Demokratie - stärker als eine Bedrohung von rechts. Foto: Sven Hoppe/dpaFunktioniert der Diskurs in der Gesellschaft nicht, schadet es der Demokratie - stärker als eine Bedrohung von rechts. Foto: Sven Hoppe/dpa

Osnabrück. Horst Seehofer wäre in Chemnitz am liebsten mitmarschiert. Aber die andere Seite ist nicht besser. Das Ende der gegenwärtigen Spaltung ist unbekannt, ihre Sprengkraft aber offenkundig. Ein Kommentar.

Verschiedene Meinungen in einer Gesellschaft sind völlig normal. Zudem sind sie wichtig: Im Diskurs justieren die Menschen ihre Normen und Werte, die immer eine Frage von Raum und Zeit sind und sich seit je her verändern. Schwierig wird es dann, wenn dieser Diskurs ausbleibt. Statt Dialog herrschen dann Hass und Unerbittlichkeit. Dann profitieren die Ränder, dann erstarken die Extreme, dann kommt es zu tiefen und gegebenenfalls lange währenden Spaltungen wie in der europäischen Gegenwart. Deren Ende ist unbekannt, ihre Sprengkraft aber offensichtlich.

Am liebsten mitmarschiert

Die Verweigerung von Respekt pflegen in der Migrationspolitik alle Beteiligten. Oft sind sie auf ihre kompromisslose Verblendung sogar noch stolz. Bundesinnenminister Horst Seehofer legte ein solches Verhalten mehrfach an den Tag, zuletzt, weil er in Chemnitz dem Anschein nach am liebsten mitmarschiert wäre. Die andere, die linke Seite ist keinen Deut besser. Sie überzieht Pragmatiker mit anmaßender Häme, sie dehnt das Recht, sie plädiert für Denk- und Sprechverbote und argumentiert unlauter. (Lesen Sie auch: AfD begrüßt Seehofer-Äußerung zu Migration)

Gescheiterte Linke

Ein Beispiel ist die immer wieder zu hörende Argumentation, die konservativen Akzente der CSU seien als Versuch, die AfD in Schach zu halten, gescheitert, weil die Christsozialen in Umfragen schon einmal besser abgeschnitten hätten als derzeit. Wer diesen Maßstab anlegt, muss sich ja fragen, wie gescheitert erst die Strategie der SPD ist, die reihenweise Wähler an die Rechtspopulisten verliert. Die Linke mag sich für ihren Widerstand feiern - den Stein der Weisen kennt sie ebenso wenig. Die Lösung ist vielleicht unangenehm, aber letztlich einfach: über seinen Schatten zu springen, den Dialog zu pflegen und sich in der Mitte zu treffen statt Maximalpositionen zu pflegen. Sonst freuen sich Dritte. 

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