Wasserwerfer im Einsatz Rechte Kundgebung in Hamburg – etwa 10.000 Menschen bei Gegendemo

Von Markus Lorenz

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Die Demo gegen Rechts mit dem Slogan "Wir sind mehr". Foto: dpa/Markus ScholzDie Demo gegen Rechts mit dem Slogan "Wir sind mehr". Foto: dpa/Markus Scholz

Hamburg. Rechtsextreme wollen in Hamburg demonstrieren – das ruft auch deren Gegner auf den Plan. Tausende Hamburger gingen am Mittwoch auf die Straße.

Gegen eine Kundgebung des „Merkel muss weg“-Bündnisses sind in Hamburg Tausende gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass auf die Straße gegangen. In zwei getrennten Demonstration zogen Tausende durch die Innenstadt in Richtung Gänsemarkt, wo die rechte Kundgebung am frühen Abend stattfand.

"Bunt statt Braun" fordern die Gegendemonstranten. Foto: dpa/Markus Scholz

Nicht wenige fühlten sich an die Massenaufmärsche zum G20-Gipfel vor gut einem Jahr in Hamburg erinnert: Um ein Aufeinandertreffen der etwa 180 Anti-Merkel-Demonstranten mit den Gegendemonstranten zu verhindern, war die Polizei mit etwa 1000 Beamten Kräften zur Stelle und hatte den Veranstaltungsort am Gänsemarkt mit vier Wasserwerfern und Sperrgittern hermetisch abgeriegelt. Die Polizei sperrte den Platz mit Gittern ab, auch Wasserwerfer und die Reiterstaffel standen bereit. Die Polizei twitterte von etwa 10.000 Demonstranten gegen rechts.

Dicht gedrängt hatten sich linksgerichtete und antifaschistische Protestler an den Absperrungen in Rufweite der Kundgebung postiert und reckten die Mittelfinger in die Höhe. Pausenlos versuchten sie den Ablauf zu stören, wechselweise mit lauten Pfiffen, Rufen wie "Nazis raus", "Halt die Fresse" und "Haut ab" sowie höhnischem Klatschen.

Im Verlauf des Abends wurde kurzzeitig ein Wasserwerfer eingesetzt, da aus den Reihen der Demonstranten mit Gegenständen – Augenzeugen zufolge Eier – geworfen wurde. 


Organisatoren aus rechtsextremen Kreisen

Die Teilnehmer der Anti-Merkel-Aufmarschs ließen sich von den vielen Gegnern nicht aus dem Konzept bringen. Mit der Aufforderung "Lasst euch nicht provozieren" hatte eine der Organisatorinnen die Versammlung eröffnet. Und gab ihren Gleichgesinnten noch den Rat mit, keinesfalls mit der Presse zu sprechen. "Die drehen uns sowieso jedes Wort im Munde um." Mehr als 150 Menschen folgten dem Aufmarsch.

Wie schon bei den „Merkel muss weg“-Kundgebungen zu Jahresbeginn schwenkten viele Teilnehmer Deutschland-Fahnen, einige wandten sich mit Pappschildern gegen eine Islamisierung Deutschlands und forderten den Rücktritt von Angela Merkel.

Zum Schutz der Veranstaltung hatten die Organisatoren eine Reihe muskelbepackter Ordner am Gänsemarkt postiert. Die wurden nur einmal kurz unruhig, als es einem Mann aus dem Anti-Merkel-Lager gelang, ein Plakat der Linken zu stiebitzen.

Zahlenmäßig waren die Gegendemonstranten tatsächlich in der deutlichen Mehrheit. Foto: dpa/Markus Scholz

Nach Erkenntnissen des Hamburger Verfassungsschutzes handelt es sich beim Anmelder der "Merkel muss weg"-Demo um einen Türsteher und ehemaligen Leibwächter von Ronald Schill mit Kontakten in die rechtsextremistische Szene. Die Rechtsextremisten sollen auch Verbindungen zu AfD haben. 

Gut eine halbe Stunde vor Beginn der Kundgebung hatten sich erst wenige Dutzend Anhänger auf dem Gänsemarkt eingefunden, darunter auch die Nummer 2 des fremdenfeindlichen Dresdner Pegida-Bündnisses, Siegfried Daebritz. 

Als Redner trat Dennis Augustin auf, laut AfD-Homepage Kreisvorsitzender in Südwestmecklenburg. Die Kundgebung wurde von lauten Protestrufen der Gegendemonstranten deutlich übertönt.

Aktuelle Stunde in der Bürgerschaft

Die Hamburgische Bürgerschaft hatte sich in ihrer Aktuellen Stunde ebenfalls mit der Demonstration beschäftigt. Dabei hatten fast alle Fraktionen den Missbrauch des Todesfalls in der sächsischen Stadt durch Populisten und Rechtsextreme verurteilt. Die AfD wies die angeblichen Verbindungen zu Extremisten zurück, relativierte aber die in Hamburg geplante Veranstaltung. "Das ist keine AfD-Demo, sondern eine Veranstaltung freier Bürger", sagte Fraktionschef Alexander Wolf.

Mit Ausnahme der AfD haben alle Fraktionen der Bürgerschaft sich besorgt über einen Einfluss Rechtsextremer bei der "Merkel muss weg"-Kundgebung geäußert. "Die besorgt-bürgerliche Tarnung scheint nicht mehr nötig", sagte Antje Möller von den Grünen, deren Fraktion die Debatte in der Aktuellen Stunde angemeldet hatte.


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