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05.09.2018, 17:43 Uhr KOMMENTAR

Misstrauen gegenüber Moskau im Fall Skripal angebracht

Kommentar von Thomas Ludwig

Verdächtig: Diese beiden Männer sollen den Nervengasanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal verübt haben. Hat die Regierung in Moskau damit etwas zu tun? Foto: AFP/Metropolitan Police ServiceVerdächtig: Diese beiden Männer sollen den Nervengasanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal verübt haben. Hat die Regierung in Moskau damit etwas zu tun? Foto: AFP/Metropolitan Police Service

Osnabrück. Ein halbes Jahr nach dem Nervengiftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Skripal im englischen Salisbury hat die britische Polizei zwei Tatverdächtige ausgemacht. London erhebt schwere Vorwürfe gegen Moskau.

Der Vorwurf aus London wiegt schwer. Zwei Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes hätten den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal vergiftet, behauptet Premierministerin Theresa May - und zwar nicht auf eigene Faust, sondern „höchstwahrscheinlich“ im Auftrag der russischen Regierung. Steckt also tatsächlich Moskau hinter dem Verbrechen?

Zahlreiche Indizien scheinen dies inzwischen nahezulegen. Doch Moskau macht, was es am besten kann: abwiegeln. Man kenne die Verdächtigen nicht, London solle endlich aufhören, die Öffentlichkeit zu manipulieren.

Wer manipuliert wen?

Doch wer manipuliert eigentlich wen? Mit regimetreuen Online-Medien, gesteuerten Sendern und Armeen von Internettrollen verfügt Moskau über exzellente Waffen, dem Westen Sand in die Augen zu streuen. Man reibt sich die Augen und traut keiner Seite mehr, weil beiden Seiten einfach alles zuzutrauen ist. Doch glaubt der Westen allen Ernstes, Moskau werde eines Tages zugeben, an einem Attentat beteiligt gewesen zu sein? Hat die amerikanische CIA jemals zwanglos zugeben, ihr nicht genehme „Zielobjekte“ aus dem Weg geräumt zu haben? Wie naiv wäre es, so etwas anzunehmen.

London sollte alle Fakten zum Fall Skripal zusammen tragen und Verdächtigten den Prozess machen, ohne übereilt Anschuldigungen gegen Moskau zu erheben.


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