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04.09.2018, 18:16 Uhr WAGENKNECHTS SAMMLUNGSBEWEGUNG

Aufstehen und den Parteien Beine machen

Kommentar von Uwe Westdörp

Sahra Wagenknecht (2vr), Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke, Ludger Volmer (r, Bündnis 90/Die Grünen), Simone Lange (l, SPD), Oberbürgermeisterin der Stadt Flensburg, und Bernd Stegemann (2vl), Autor und Dramaturg, gehen in den Saal der Bundespressekonferenz und stellen dort offiziell die Bewegung „Aufstehen“ vor. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++Sahra Wagenknecht (2vr), Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke, Ludger Volmer (r, Bündnis 90/Die Grünen), Simone Lange (l, SPD), Oberbürgermeisterin der Stadt Flensburg, und Bernd Stegemann (2vl), Autor und Dramaturg, gehen in den Saal der Bundespressekonferenz und stellen dort offiziell die Bewegung „Aufstehen“ vor. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Osnabrück . „Aufstehen“ lautet der Appell der neuen Sammlungsbewegung, mit der Sahra Wagenknecht und andere die politische Landschaft verändern wollen. Sitzen zu bleiben ist in jedem Fall keine gute Alternative. Dafür gibt es zu viele drängende Probleme. Ein Kommentar.

Warum nicht mal etwas Neues wagen, wenn es auf alten Pfaden nicht vorangeht? So gesehen hat die von Sahra Wagenknecht initiierte Sammlungsbewegung „Aufstehen“ durchaus Charme – jedenfalls für Bürger, die sich eine linke Mehrheit wünschen.

Auch ist es eine gute Idee, Menschen im Internet zum Mitgründen, Mitmachen und Mitentscheiden zu bewegen und der Bewegung so breite Legitimität zu verschaffen.

Unübersehbar gibt es aber zugleich große Schwächen. So ist zunächst nicht erkennbar, wie stark der Einfluss der außerparlamentarischen Bewegung sein wird. Eine Partei will sie (noch) nicht sein, ist also nicht wählbar. Das heißt, sie kann ihren Einfluss nur indirekt entfalten, indem sie Debatten beeinflusst. Da wünscht man Ausdauer beim Bohren dicker Bretter.

Aber auch das wäre ja schon ein Erfolg: anderen Parteien Beine zu machen. Wie wichtig das ist, zeigt allen anderen voran die SPD, die sich erneuern will, aber nicht von der Stelle kommt. Als Anführerin der politischen Linken fällt sie jedenfalls aktuell aus.

Das ist umso bedauerlicher, als Deutschland mit dem Aufstieg der populistischen AfD einen starken Rechtsruck erlebt. Dass die traditionell streitlustige Linke nicht einmal in solch einer schwierigen Lage Einigkeit demonstriert, ist ein Trauerspiel. Aber vielleicht ändert sich ja jetzt etwas.


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