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03.09.2018, 17:59 Uhr KOMMENTAR

China umgarnt Afrika zum eigenen Nutzen

Kommentar von Thomas Ludwig

Chinas Präsident Xi Jinping hat im Kreis afrikanischer Amtskollegen gut Lachen: Sie alle hoffen auf die Entwicklung ihrer Länder mit chinesischer Hilfe. Foto: How Hwee Young/AP/dpaChinas Präsident Xi Jinping hat im Kreis afrikanischer Amtskollegen gut Lachen: Sie alle hoffen auf die Entwicklung ihrer Länder mit chinesischer Hilfe. Foto: How Hwee Young/AP/dpa

Osnabrück. China stockt seine Investitionen in Afrika massiv auf - angeblich ohne politische Bedingungen. Das zeigt die Priorität, die der Kontinent bei Pekings Strategie auf dem Weg zur wirtschaftlichen Weltmacht genießt. Europa sollte gewarnt sein.

Wir begrüßen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung - der Satz von Chinas Staatspräsident Xi anlässlich des China-Afrika-Gipfels sagt alles: Peking bestimmt Richtung und Geschwindigkeit der gemeinsamen Reise, deren vorrangiges Ziel es ist, China zur wirtschaftlichen und politischen Weltmacht zu machen. Afrika versorgt das Reich der Mitte mit dringend benötigten Rohstoffen, und die wachsende Mittelschicht rückt als Absatzmarkt für Waren aus China zunehmend in den Fokus. Während die Chinesen also Nägel mit Köpfen machen und Afrika in die Abhängigkeit drängen, reiben sich die Europäer die Augen.

Infolge des Migrationsdrucks aus Afrika sind inzwischen zwar auch Frankreich, Deutschland und Großbritannien aufgewacht, versuchen, Investitionen auf dem Nachbarkontinent anzukurbeln; von einer abgestimmten Afrika-Strategie ist die EU aber weit entfernt. Dabei sollten die Europäer den Chinesen nicht das Feld überlassen. Autoritärem Durchregieren auf Kosten von Menschenrechten, sozialen Standards und der Umwelt gilt es, etwas entgegenzusetzen.

Das wird nicht leicht. Denn europäische Firmen spielen gemeinhin nach den Regeln des Privatsektors. Chinesische Firmen aber profitieren von Staatsgeldern und der Entwicklungsdoktrin: So wenig Demokratie wie nötig, so viel Staatskapitalismus wie möglich.


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