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03.09.2018, 15:05 Uhr KOMMENTAR ZU WIDERSPRUCHSREGELUNG

Organspende: Vertrauen ist die Voraussetzung

Kommentar von Stefanie Witte

Bislang muss man sich in Deutschland aktiv für die Organspende entscheiden. Foto: dpaBislang muss man sich in Deutschland aktiv für die Organspende entscheiden. Foto: dpa

Osnabrück. Der Vorschlag ist brisant: Wer nicht aktiv widerspricht, soll künftig als williger Organspender angesehen werden. Dieser Anstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) polarisiert – dabei spricht vieles dafür.

Sicher, viele Menschen befürchten Übergriffe des Staates. Tenor: Ich will darüber entscheiden, was nach meinem Tod mit meinem Körper passiert. Ethiker warnen vor einer Abgabepflicht. Ärztevertreter sind für die Widerspruchsregelung, fürchten aber rechtliche Hürden.

Auf der Seite der Befürworter einer solchen Regelung stehen immer mehr Menschen, die grundsätzlich für die Organspende sind. Dennoch besteht immer noch ein Missverhältnis zwischen Tausenden Menschen, die auf eine Spende warten, und einigen Hundert Organspendern pro Jahr.

Fest steht: Es ist aufwendiger, aktiv Ja zur Organspende zu sagen, als Zustimmung durch fehlenden Widerspruch zu artikulieren. Sollte es rechtlich möglich sein, eine solche Regelung in Deutschland zu etablieren, so wie sie etwa schon in Belgien oder Österreich funktioniert, wäre das sinnvoll.

Dazu muss die Politik aber das Vertrauen der Bürger gewinnen und klarmachen: Der Widerspruch hängt nicht an einem Pappkärtchen. Er muss zentral und verbindlich erfasst werden. Am Ende muss es immer der Einzelne sein, der über seinen Körper entscheidet.


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