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02.09.2018, 15:53 Uhr AFD WÄCHST AUF 15 PROZENT

Für die Zugewinne der AfD gibt es Gründe

Kommentar von Marion Trimborn

Für die AfD geht es in der Wählergunst weiter nach oben. Foto: Bernd Wüstneck/dpaFür die AfD geht es in der Wählergunst weiter nach oben. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Osnabrück. Seit dem Einzug in den Bundestag vor knapp einem Jahr hat die AfD noch mal deutlich in der Wählergunst zugelegt. Dafür gibt es Gründe - die vor allem bei den anderen Parteien liegen. Ein Kommentar

Darf es überraschen, dass die AfD nach Chemnitz in der Wählergunst zulegt? Nicht wirklich. Die Partei, immerhin drittstärkste im Bundestag, ist mit einem einzigen Thema, der Flüchtlingspolitik, groß geworden. Solange die etablierten Parteien bei diesem Thema weiter hilflos vor sich hinstolpern und der AfD Raum lassen, kann sie wachsen - und zwar in die bürgerliche Mitte hinein. Von dort kommt der Zuwachs in der Wählergunst auf bundesweit inzwischen 15 Prozent. Denn die bürgerliche Mitte hat den Eindruck, dass die Bundesregierung zu wenig auf ihre berechtigten Ängste in punkto Zuwanderung eingeht. Da gibt es viele, die vom Staat enttäuscht sind und einen Kontrollverlust fürchten. Mit Recht verlangen sie einen Staat, in dem die Gerichte schnell entscheiden, wer zurecht in Deutschland lebt und wer nicht. Einen Staat, in dem es genug Polizisten und Richter gibt und in dem Flüchtlinge, die nicht hier sein dürfen, sanktioniert und abgeschoben werden. In allen Punkten hapert es derzeit in Deutschland.

Dadurch kann sich eine neue rechte Sammlungsbewegung etablieren. Dass deren ausgemachte Gegnerin Kanzlerin Merkel ist, gibt der Rechten zusätzlich Auftrieb, weil diese als einzig wahrzunehmende Gegenstimme im Einheitsbrei einer Großen Koalition wirkt. Bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen im Oktober dürfte die AfD weiter stark zulegen - solange bis sich die Regierenden ernsthaft mit dem Zorn vieler Bürger befassen.


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