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31.08.2018, 16:53 Uhr KOMMENTAR

Webers Bewerbung um EU-Spitzenamt ist konsequent

Kommentar von Thomas Ludwig

Ambitioniert in Brüssel: CSU-Vizechef Manfred Weber. Derzeit ist er Fraktionschef der internationalen Christdemokraten im EU-Parlament. Doch er will mehr.  Foto: Nicolas Liponne/ImagoAmbitioniert in Brüssel: CSU-Vizechef Manfred Weber. Derzeit ist er Fraktionschef der internationalen Christdemokraten im EU-Parlament. Doch er will mehr. Foto: Nicolas Liponne/Imago

Osnabrück. Die CSU bekleckert sich in Sachen Europafreundlichkeit selten mit Ruhm. Kann also ein CSU-Vize Manfred Weber Spitzenkandidat der Europäischen Christdemokraten werden mit dem Ziel, bei einem Wahlsieg die EU-Kommission zu führen? Ja.

Denn Manfred Weber ist - anders als beispielsweise Ministerpräsident Markus Söder - im besten Sinn ein bayerischer Europäer. Er ist keiner, der die EU ständig in Zweifel zieht, sondern sie Zweiflern gegenüber mit guten Argumenten verteidigt. Als langjähriger EU-Abgeordneter und Fraktionschef ist Weber bestens im Raumschiff Brüssel vernetzt, was selbst Parteilmitstreiter im weißblauen Bundesland misstrauisch beäugen. Weber besticht durch Ruhe, nicht durch Rage, sucht den Konsens, nicht den Krawall. Das hat ihm über die Jahre beständig Respekt verschafft.

Gleichwohl ist er in der Union nicht unumstritten. Mancher CDU-Politiker sähe es lieber, machte sich die Kanzlerin für eine deutsche Besetzung des Chefpostens bei der EZB stark. Die Personalie Weber will also von Angela Merkel geschickt moderiert sein.

Tatsächlich wäre eine Nominierung zum EVP-Kandidaten Webers kein Selbstläufer, auf dem Weg an die Kommissionsspitze. Anders als in der Vergangenheit, ist eine Mehrheit aus Christ- und Sozialdemokraten im EU-Parlament nach der nächsten Wahl im Mai 2019 nämlich unwahrscheinlich. Zünglein an der Waage wären dann vermutlich die Liberalen. Und Weber ist und bleibt ein Konservativer.


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