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31.08.2018, 15:26 Uhr ZEITUMSTELLUNG

Die EU macht mal etwas richtig und wagt mehr Demokratie

Kommentar von Marion Trimborn

Die EU-Kommission will die Zeitumstellung abschaffen. Foto: Peter Steffen/dpaDie EU-Kommission will die Zeitumstellung abschaffen. Foto: Peter Steffen/dpa

Osnabrück. Die Brüsseler EU-Bürokratie gilt als abgehoben und bürgerfern. Jetzt macht sie mal etwas richtig. Bei dem unpolitischen Thema Zeitumstellung hat die EU-Kommission die Bürger befragt - und nimmt das Ergebnis sogar ernst. Das ist gut so. Ein Kommentar

Endlich ist Schluss damit: Kein Mini-Jetlag mehr zwei Mal im Jahr, kein nerviges Drehen an der Uhr. Ohne Zeitumstellung könnte es das ganze Jahr über abends länger hell bleiben. Auch wenn die EU-Kommission vieles am Bürger vorbei entscheidet - macht sie hier mal etwas richtig. Brüssel wagt ein klein bisschen mehr Demokratie, endlich. Dabei gibt es vielleicht auch einen Hintergedanken, da die Uhr tickt: Schon im Mai ist Europawahl, dabei könnte die Wahlbeteiligung historisch niedrig ausfallen und die EU-Kritiker könnten hinzugewinnen. Da ist es doch besser, die Bürger schon vorher mitmachen zu lassen.

Warum eigentlich nicht mehr davon? Die Befragung sollte Mut machen, die Europäer noch viel öfter an politischen Entscheidungen zu beteiligen. Nicht nur bei unpolitischen Themen und auch nicht nur online. EU-Kommissionschef Juncker hat mit seinem Satz: „Die Menschen wollen das. Wir machen das“ versprochen, den Willen des Bürgers zu respektieren. Bestes Mittel dafür wären Volksentscheide.

Beim konkreten Thema Drehen an der Uhr geht der Streit jetzt erst richtig los. Soll künftig ständige Winterzeit oder ständige Sommerzeit gelten? Vielleicht ist es am Ende ja so, dass sich die EU-Staaten für unterschiedliche Zeiten entscheiden. Aber auch das wäre kein Problem, denn schon jetzt gibt es in der EU drei Zeitzonen.


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