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30.08.2018, 17:58 Uhr EXTREMISMUS IN SACHSEN

Chemnitz und die Frage: Auf welcher Seite stehst du?

Kommentar von Uwe Westdörp

Tatort Chemnitz: Passanten stehen an er Stelle, an der am Sonntag in  Chemnitz ein 35 Jahre alter Deutscher durch Messerstiche getötet worden ist. Nach der Tat zogen überwiegend rechte Demonstranten durch die Stadt, von denen einige Ausländer angriffen. Foto: Ralf Hirschberger/dpaTatort Chemnitz: Passanten stehen an er Stelle, an der am Sonntag in Chemnitz ein 35 Jahre alter Deutscher durch Messerstiche getötet worden ist. Nach der Tat zogen überwiegend rechte Demonstranten durch die Stadt, von denen einige Ausländer angriffen. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Osnabrück . Ja, Sachsen hat ein Problem mit Rassismus und mit Rechtsextremisten. Aber nein: Politik und Zivilgesellschaft stecken nicht auf. Da tut sich was in Chemnitz. Ein Kommentar.

Gute Nachrichten aus Chemnitz. Immer größere Demonstrationen gegen rechts, Rockkonzerte gegen rechte Gewalt, Politiker im Bürgerdialog – das alles zeigt, dass die Menschen nicht bereit sind, die Sachsen-Metropole einem pöbelnden Mob zu überlassen. Es ist so etwas wie ein Aufstand der Anständigen.

Es geht um viel: das Bild der Stadt, des Freistaats Sachsen und Deutschlands. Aggressive junge Männer, die auf offener Straße den Hitlergruß zeigen und „Deutschland den Deutschen“ grölen – das ist unerträglich. Genauso unerträglich wie die schamlose Instrumentalisierung eines gewaltsamen Todesfalls in Chemnitz durch fremdenfeindliche Rechtspopulisten und -extremisten.

Der Tod des 35-Jährigen, der von einem Syrer und einem Iraker erstochen worden sein soll, ist Anlass zu tiefer Trauer, und er muss minutiös aufgeklärt werden. Doch darf er nicht dazu missbraucht werden, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen und Hetzjagden zu starten.

Die Frage an einen jeden lautet nun: Auf welcher Seite stehst du? Auf der Seite der Extremisten, die im Zweifelsfall auf den Rechtsstaat pfeifen? Oder auf der Seite jener, die Recht und Gesetz hochhalten?

Übrigens: Kritik an der Flüchtlingspolitik und ihren Folgen kann man auch artikulieren, ohne Pegida, der AfD und Thilo Sarrazin nachzulaufen.


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