Gründung am 4. September 1998 Google wird 20 – und ist so beliebt und gefürchtet wie nie

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Vor 20 Jahren wurde das amerikanische Unternehmen Google gegründet. Foto: Christoph Dernbach/dpaVor 20 Jahren wurde das amerikanische Unternehmen Google gegründet. Foto: Christoph Dernbach/dpa

Osnabrück. In nur 20 Jahren Unternehmensgeschichte hat sich Google einen festen Platz in der Lebenswirklichkeit des digitalen Zeitalters erkämpft. Dabei ist das Verhältnis der Nutzer zu dem Unternehmen durchaus ambivalent: Einerseits vertrauen sie ihm und nutzen seine Dienste gerne, andererseits wünschen sie sich mehr Datenschutz und fürchten seine übergroße Marktmacht.

Im Jahr 2004 erschien die 23. Auflage des deutschen Dudens. Zum ersten Mal gelistet wurde in dem dicken, gelben Lexikon auch das Verb „googlen“ als Synonym für „im Internet suchen, recherchieren“ – neben 5.000 weiteren, vermeintlich neuen Begriffen, wie „Kuckuckskind“, „Billigflieger“ oder „Dosenpfand“.

Die Internetsuchmaschine Google gab es damals erst seit sechs Jahren (siehe Box). In Deutschland hatten weniger als 50 Prozent der Haushalte einen Internetanschluss, und bis Smartphones nennenswerte Anteile auf dem Handymarkt erreichen sollten, würden noch drei weitere Jahre vergehen. Trotzdem prägte Google bereits den Zeitgeist.

Ein neuer Typ Suchmaschine

Google war zwar nicht die erste Internet-Suchmaschine. Aber der neue Ansatz der beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin brachte das Unternehmen schnell nach vorn. Ihre Idee: Google sollte kein redaktionell gepflegter Web-Katalog sein, sondern eine intelligente Suchmaschine. Die Relevanz einzelner Webseiten bemaßen sie danach, wie oft auf sie verlinkt wurde. Inzwischen spielen im komplexen und streng geheimen Google-Algorithmus hunderte weitere Faktoren mit.

Weltweit nutzen heute Milliarden Menschen diesen Mechanismus. Mehr als 90 Prozent beträgt der Marktanteil von Google. Wobei es durchaus regionale Unterschiede gibt. In Nordamerika sind die Konkurrenten Bing und Yahoo recht beliebt. In Asien werden häufig lokale Suchmaschinen wie das chinesische Baidu oder russische Yandex genutzt. Allerdings erreichen sie auch dort nur einstellige Anteile. Die Deutschen sind besonders große Google-Nutzer: Hierzulande laufen knapp 88 Prozent aller Suchanfragen von stationären Rechnern über Google, bei mobilen Endgeräten sind es sogar 98 Prozent.

Werbeanzeigen sichern die Gewinne

Der wirtschaftliche Erfolg von Google hängt damit zusammen, dass das Unternehmen auch schon früh einen Weg gefunden hat, mit den Suchanfragen seiner Nutzer Geld zu verdienen. Im Jahr 2003 startete das Unternehmen den Dienst „Ad Sense“. Seitdem erscheinen automatisch kleine Werbeanzeigen im Umfeld der Suchtreffer – die dazu passen, wonach der Nutzer sucht. Bezahlt werden muss nur, wenn die Werbung auch angeklickt wurde, der Preis wird im Auktionsverfahren festgelegt. Mit solchen Mini-Deals kann Google Milliarden scheffeln. Im vergangenen Quartal erzielte die Muttergesellschaft Alphabet insgesamt einen Umsatz von 32,6 Milliarden Dollar, davon waren gut 28 Milliarden reine Werbeerlöse von Google.

Das Unternehmen ist allerdings längst mehr als nur eine Suchmaschine. Auch mit vielen seiner anderen Produkte ist Google überaus erfolgreich. Der eigene Webbrowser Chrome hat sich in den letzten Jahren klar gegen die Konkurrenz von Microsoft (Internet Explorer), Apple (Safari) oder Mozilla (Firefox) durchgesetzt. Der Marktanteil liegt inzwischen bei über 60 Prozent. Das Betriebssystem Android läuft auf mehr als 85 Prozent aller Smartphones. Apples iOS kann einen knapp zweistelligen Anteil sicher, die Alternativen von Microsoft oder Samsung sind krasse Außenseiter auf dem Markt. Außerdem wird weltweit mehr als jede fünfte Email mit Googles Mailclient Gmail verschickt. Besser ist in dem Segment nur Apple. Microsofts Outlock kann im Vergleich nur einen mickrigen Marktanteil von drei Prozent aufweisen.

Mehr als nur eine Suchmaschine

Aber auch andere Google Produkte – etwa das Videoportal Youtube, der Kartendienst Google Maps, der virtuelle Globus Google Earth, das Analyseinstrument Google Analytics oder der Dokumentenspeicher Google Drive – sind für die allermeisten Nutzer zu ständigen Wegbegleitern in der digitalen Welt geworden. Damit einher geht aber auch eine beispiellose Ansammlung von Informationen, die sie dem Konzern unvermeidlich anvertrauen. Denn Google speichert beispielsweise jede Suchanfrage seiner Nutzer.

Sexuelle Vorlieben, Krankheitsbilder, politische Einstellungen – all das vertrauen sie der Suchmaschine an, und Google liest mit. Zwar betont das Unternehmen immer wieder, dass die Daten auf den weltweit sichersten digitalen Speichern abgelegt und nicht verkauft werden. Doch Studien belegen, dass die allermeisten Nutzer gar nicht wollen, dass Google ihre Informationen überhaupt speichert. Viele wissen auch nicht, wie Google mit seinem Geschäftsmodell Geld verdient. Trotzdem nutzen sie Google offenbar gern: 72,3 Prozent der Befragten sagten dem Online Marketing-Dienstleister All Points Digital zuletzt, dass sie der Genauigkeit der Google-Ergebnisse vertrauen.

Die Sammelwut des Mega-Konzerns

Sicher ist: Die Sammelwut von Google kennt keine Grenzen. Das Unternehmen zapft dafür all seine Produkte, vom Email-Dienst über das Videoportal bis zum Betriebssystem an. Erst vor wenigen Wochen musste sich der Internet-Konzern dafür rechtfertigen, dass Android-Telefone ständig Ortungsdaten speichern – selbst wenn die Anwender das eigentlich gar nicht nicht möchten. Das Bundesjustizministerium kritisiert daraufhin Googles Datenschutzpraxis in einem Brief an die oberste Führungsetage des Unternehmens.

Vor allem in Europa wird inzwischen auch die Marktmacht von Google kritisch gesehen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff zweimal hart durch. 2017 gab es wegen dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro. Google habe „seinen eigenen Preisvergleichsdienst in seinen Suchergebnissen ganz oben platziert und Vergleichsdienste der Konkurrenz herabgestuft“, hieß es damals. Im Juli 2018 folgte eine weitere Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro. Der Grund: Google verlangt von Handyherstellern unter anderem, dass sie bestimmte Apps wie die Google-Suche oder den Webbrowser Chrome vorinstallieren, wenn sie Android verwenden wollen. Ein weiterer Wettbewerbsverstoß.

Zukunftsweisende Technologien

Finanziell verdaut ein Großkonzern wie Google diese Strafen mit Leichtigkeit: Trotz der fälligen Zahlung machte Googles Mutterkonzern Alphabet allein im zweiten Quartal 2018 noch 2,7 Milliarden Euro Gewinn. Diese Nachricht lies die Börsenkurse steigen. Die Forderung der EU, bei den Android-Apps zukünftig mehr Konkurrenz zuzulassen, könnte sich dagegen negativ auf das Geschäft auswirken. Außerdem könnte das Image von Google durch die neuen Enthüllungen und Skandale dauerhaft geschädigt werden, ähnlich wie es bei Facebook gerade der Fall ist. 

Wenige Tage vor dem Google-Geburtstag machte US-Präsident Donald Trump noch eine Front auf. Er googelte Nachrichten über sich selbst und fand angeblich lauter negative Schlagzeilen. Er warf Google daraufhin vor, die Auswahl zu seinen Ungunsten zu manipulieren. Das werde Konsequenzen haben, drohte der Präsident unverholen. Google wies die Vorwürfe umgehend zurück. Man kann aber davon ausgehen, das Thema bei der nächsten Senatsanhörung der Internet-Konzerne am 5. September wieder auf den Tisch kommen werden.

Doch bei Google ist von Unsicherheit nichts zu spüren, im Gegenteil. Das Unternehmen will in Zukunft eine noch größere Rolle im Leben der Menschen spielen: Schon jetzt investiert es massiv in  Künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos und Gesundheitsforschung. Es sieht so aus, als werde Google auch weiterhin bei vielen Zukunftstechnologien den Ton angeben.

mit dpa


Die Geschichte von Google

Google wurde am 4. September 1998 von den Studienfreunden Larry Page und Sergey Brin gegründet. Mit 100 000 Dollar Startkapital bezogen sie in eine Garage im Sillicon Valley und entwickelten dort eine Testversion. Nach fünf Monaten sollen sie damit bereits 500 000 Suchanfragen täglich verzeichnet haben. 

2001 wurde der erfahrene Manager Eric Schmidt zum CEO des Unternehmens ernannt. Gemeinsam mit den Gründern bildete er eine Troika an der Unternehmensspitze. Am 19. August 2004 ging Google an die Börse. Von 80 bis 85 Dollar ist der Wert seit dem auf über 1200 Dollar pro Aktie gestiegen. Google gehört zu den wertvollsten Unternehmen weltweit, die Gründer sind Multimilliardäre. 

In den 2000er Jahren baute Google sein Angebot massiv aus: Es legte den Grundstein für seinen Kartendienst Google Maps, den Emailprovider Gmail und das Smartphone-Betriebssystem Android. Am 9. Oktober 2006 übernahm Google das Videoportal Youtube. Später investierte es unter anderem in Robotiksysteme, künstliche Intelligenz und Raumfahrt. Im August 2015 wurde das Unternehmen grundlegend umstrukturiert: Über der Google LLC steht nun die Dachgesellschaft Alphabet Inc. mit Larry Page und Sergey Brin an der Spitze.

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