Ein Bild von Melanie Heike Schmidt
29.08.2018, 18:49 Uhr KOMMENTAR

Ausschreitungen in Chemnitz: Welch eine Schande

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Trauer und die Suche nach Antworten: Der gewaltsame Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz war Anlass für Demonstrationen, bei denen es zu Gewaltausbrüchen kam. Über den Umgang mit den Vorfällen wird nun intensiv diskutiert. Foto: Monika Skolimowska/dpaTrauer und die Suche nach Antworten: Der gewaltsame Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz war Anlass für Demonstrationen, bei denen es zu Gewaltausbrüchen kam. Über den Umgang mit den Vorfällen wird nun intensiv diskutiert. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Osnabrück. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz geht die Debatte um den Umgang mit den Vorfällen weiter. Für Empörung sorgte, dass ein Haftbefehl mit geschützten Daten im Internet auftauchte. Parallel dazu nutzen Populisten weiterhin schamlos die Situation aus, um ihre Parolen zu verbreiten. Es ist eine Schande.

Es ist ungeheuerlich, dass im Fall Chemnitz ein Haftbefehl mit Daten des Tatverdächtigen im Internet auftaucht. Dieser Vorfall muss unbedingt aufgeklärt und der Schuldige bestraft werden.

Es hat Gründe, weshalb Namen von Verdächtigen meist nicht vollständig genannt werden. Es geht um Datenschutz, aber auch um die Unschuldsvermutung. Erst ein rechtskräftiges Urteil macht aus einem Verdächtigen einen Täter. Dieser Grundsatz wird leider oft ignoriert. So auch in Chemnitz, wo Verdächtige, die den Tod eines 35-Jährigen verursacht haben sollen, „Täter“ genannt werden, bevor die Ermittlungen beendet sind. Es ist Sache der Gerichte, Schuldfragen zu klären, alles andere sind Vorverurteilungen.

Noch ungeheuerlicher ist aber, wie die AfD die Bluttat ausschlachtet und unter dem Deckmantel angeblicher Trauer populistische Parolen verbreitet. Hier eine Botschaft an AfD-Chef Alexander Gauland und dessen Mitstreiter: Es ist nicht „normal, dass Menschen ausrasten“, wenn eine solche Tat passiert, wie Gauland es nennt. Normal wären Beileidsbekundungen. Normal wäre der Wunsch nach Aufklärung. Hier aber wird eine Bluttat instrumentalisiert, um Hass und Gewalt zu rechtfertigen. Welch eine Schande.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN