Kommentar Rechte Gewalt in Sachsen: Klares Bekenntnis

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Deutschlandfahnen und „Ausländer raus“-Rufe: Nach einem Streit war in der Nacht zu Sonntag in der Innenstadt von Chemnitz ein 35-jähriger Mann erstochen worden. Die Tat war Anlass für Demonstrationen, bei denen es auch zu Gewaltausbrüchen. Foto: Jan Woitas/dpaDeutschlandfahnen und „Ausländer raus“-Rufe: Nach einem Streit war in der Nacht zu Sonntag in der Innenstadt von Chemnitz ein 35-jähriger Mann erstochen worden. Die Tat war Anlass für Demonstrationen, bei denen es auch zu Gewaltausbrüchen. Foto: Jan Woitas/dpa

Osnabrück. Die Ausschreitungen in Chemnitz wirken nach, viele sind entsetzt über das Geschehene, suchen nach Erklärungen und Lösungen. Doch was hilft gegen Hass und Gewalt? Klare Bekenntnisse, und zwar nicht nur von der Politik.

Gewaltbereite Hooligans marschieren in Chemnitz auf, skandieren mit empörten Normalbürgern im Chor „Ausländer raus“-Rufe, es folgen jagdähnliche Szenen. Die Bilanz: zwei Dutzend Verletzte. Und eine Politik, die hilflos scheint.

Etwa Innenminister Horst Seehofer, der Tage braucht, bevor er sich zu Wort meldet und dann als Erstes Hilfe der Bundespolizei anbietet. Erst danach verurteilt er die Gewalt, für die im Rechtsstaat kein Platz sei. Was natürlich richtig ist.

Und doch: Hilfreiches oder gar Konkretes, wie Deutschland und speziell Sachsen mit dem Hass, den bestens organisierten Nazi-Gruppen sowie den empörten, entgrenzten Bürgern umgehen soll, lässt Seehofer vermissen. Kein Wort zu dem jahrelang verschleppten Problem der gärenden rechten Masse. Kein Wort zur AfD, die 2019 im Freistaat Sachsen stärkste Kraft werden könnte und die die Ereignisse schamlos ausnutzt. Auch kein Wort dazu, dass es nicht allein Sache der Politik ist, darauf zu reagieren.

An den Protesten haben sich Tausende beteiligt, die der bürgerlichen Mitte zugeordnet werden. Das zeigt: Deutschland hat ein Rassismus-Problem, und zwar nicht am Rand, sondern in der Mitte. Sich dem zu stellen, ist Aufgabe aller. Familien, Freunde, Kollegen, Trainer, Lehrer und auch Promis müssen sich klar gegen Hass und Gewalt bekennen –genau wie die Politik.


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