Kanzlerin Merkels Afrika-Reise Deutschland will wirtschaftliches Potenzial Westafrikas heben

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Handschlag: Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt immer wieder afrikanische Staatsgäste in Berlin. Foto: Ralf Hirschberger/dpaHandschlag: Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt immer wieder afrikanische Staatsgäste in Berlin. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Berlin Der Schlüssel zur Bewältigung des afrikanischen Migrationsdrucks auf Europa liegt in Afrika selbst. Das wird den Europäern zunehmend bewusst - der Bundesregierung zumal. Das belegt deren jüngste Empfangs- und Besuchsoffensive.

Soeben erst waren die Staatspräsidenten Nigers und Angolas in Berlin. Seit Tagen tourt Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) durch den Schwarzen Kontinent. Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird die zweite Wochenhälfte in Senegal, Ghana und Nigeria verbringen - gemeinsam mit Managern aus den Bereichen Infrastruktur, Energie, Digitalisierung und Wasserwirtschaft, unter anderem.

Zielländer: Senegal, Ghana und Nigeria

Aus Senegal, Ghana und Nigeria machten sich Menschen Richtung Europa auf, obwohl es dort keine Gründe gebe, die in Deutschland oder anderen EU-Ländern zu Asyl berechtigten, heißt es in der Bundesregierung. Gut 11 000 Menschen aus den drei Staaten stellten 2017 einen Asylantrag in Deutschland, in der Regel ohne Erfolg. Doch nur ein Bruchteil kehrte freiwillig heim. Auch Abschiebungen gestalten sich schwierig, da die Herkunftsländer nicht besonders kooperativ sind. Es müsse daher das Ziel sein, dafür zu sorgen, dass die Menschen von vorn herein in ihrer Heimat blieben, lautet die Strategie in Berlin. Das gehe nur mit wirtschaftlicher Entwicklung.

Ghana treibt Modernisierung voran

Große Hoffnungen zum Beispiel ruhen auf Ghana. „Präsident Nana Akufo-Addo setzt auf Modernisierung und will sein Land von westlichen Transferleistungen unabhängig machen“, berichten Landeskenner der Bundesregierung. Das Land glänzt mit Wachstumsraten von sieben, acht Prozent, ist aber immer noch stark vom Öl abhängig. Deutschland will Ghana nun unterstützen, seine Wirtschaft breiter aufzustellen. Ähnlich soll es in Nigeria laufen, allein hier leben rund 190 Millionen Menschen, ein Großteil von ihnen Kinder und Jugendliche.

Und genau da liegt die wohl größte Herausforderung der kommenden Jahrzehnte. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge werden schon 2030 rund 1,3 Milliarden Afrikaner zwischen 15 und 24 Jahre alt sein. Sie alle wollen ein Auskommen. Das macht es dringend nötig, den Schwarzen Kontinent zu entwickeln.

London verspricht Milliarden-Hilfe

Das ist auch in London angekommen. So hat die britische Premierministerin Theresa May soeben auf ihrer ersten Afrika-Reise im Amt laut dpa stärkere Handelsbeziehungen mit Afrika angekündigt und britische Investitionen in Höhe von rund 4,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. London und Berlin wissen: Ohne neue Jobs wird die demografische Entwicklung in Afrika den Einwanderungsdruck auf Europa erhöhen. In dem Zusammenhang müsse man auch über ein System nachdenken, wie junge Menschen aus Afrika legal und gesteuert nach Europa kommen könnten, heißt es in Berlin.

Anreize für deutsche Firmen in Afrika

Tatsächlich ist es nicht so, dass Deutschland und Europa nichts unternähmen, um afrikanischen Staaten auf die Beine zu helfen. So zeigt die „Compact with Africa“-Initiative, das Prestigeprojekt der deutschen G20-Präsidentschaft von 2017, erste kleine Erfolge. Jüngst ließ die deutsche Wirtschaft wissen, die Investitionen in Afrika stiegen in diesem Jahr an. „Die Strategie ist aber langfristig angelegt“, verlautet aus Regierungierungskreisen, „da geht nichts von heute auf morgen.“

Die „Compact“-Initiative soll die afrikanischen Mitgliedsländer für Privatinvestoren attraktiver machen. Ghana und Senegal sind im Boot, Nigeria vielleicht bald. Für deutsche Firmen sinkt dabei die Hürde, in den Ländern Geschäfte zu machen, weil Berlin für Exporteure und Investoren den Selbstbehalt in Schadensfällen von zehn auf fünf Prozent gesenkt hat - weitere Erleichterungen in weiteren Ländern Afrikas eher früher als später wahrscheinlich.


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