GEW: Brauchen Bundes-Kita-Qualitätsgesetz Betreuungsqualität in Niedersachsens Kitas verbessert

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In Niedersachsen ist in Sachen Betreuungsschlüssel noch Luft nach oben. Foto: dpaIn Niedersachsen ist in Sachen Betreuungsschlüssel noch Luft nach oben. Foto: dpa

Osnabrück. Die Qualität in niedersächsischen Kitas hat sich laut einer Bertelsmann-Studie verbessert. Es besteht aber weiterhin Bedarf.

In Niedersachsen verbessert sich die Qualität der Kinderbetreuung laut der Bertelsmann Stiftung langsam aber kontinuierlich – gemessen an der Entwicklung der Personalschlüssel. Kamen 2012 rein rechnerisch noch 4,2 ganztagsbetreute Kinder auf eine Krippenfachkraft, waren es 2017 3,8. Damit liegt Niedersachsen etwas unter dem westdeutschen Mittelwert (1 zu 3,6). Das zeigt das aktuelle „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ der Stiftung.

Nur geringfügig verbessert hat sich die Situation der niedersächsischen Kitaleiterinnen. Gaben 2014 noch 19 Prozent der Kitas an, keine Zeit für Leitungsaufgaben zu haben, sind es 2017 noch rund 17 Prozent; bundesweit liegt der Schnitt bei elf Prozent. Demgegenüber liegt der Anteil der Einrichtungen, der über eine angemessene Leitungsausstattung verfügt, mit 17 Prozent im bundesweiten Mittel (16 Prozent).

Kluft bei Kita-Qualität zwischen den Ländern bleibt

Bundesweiter Spitzenreiter beim Personalschlüssel ist bereits seit 2014 Baden-Württemberg, sowohl im Krippen- als auch im Kindergartenbereich. Schlusslicht bei den jüngeren Kindern ist Sachsen. Bei den Älteren zeigen sich die schlechtesten Werte in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Kita-Qualität hat sich bundesweit verbessert – die Kluft zwischen den Ländern ist allerdings geblieben“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) nannte die Ergebnisse erfreulich. „Aber sie bieten noch keinen Anlass für Euphorie.“ Vielmehr seien sie Ansporn für weitere Verbesserungen.

Qualitätsgefälle innerhalb von Niedersachsen

Und auch innerhalb von Niedersachsen zeigt sich ein Qualitätsgefälle. Während in Kindergärten in Salzgitter kindgerechte Betreuungsverhältnisse von 1 zu 6,5 erreicht werden, muss im Landkreis Leer eine Fachkraft rechnerisch 9,2 Kinder betreuen. Im Krippenbereich liegt der Personalschlüssel in den Landkreisen Aurich und Rotenburg (Wümme) bei 1 zu 3, im Landkreis Helmstedt hingegen bei 4,4.

Bedarf besteht weiterhin

Gemessen an den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung besteht in Niedersachsen im Kitabereich weiterhin Ausbaubedarf. Um diesen zu realisieren, müssen im Schnitt zusätzlich rund dreieinhalb vollzeitbeschäftigte Fachkräfte rekrutiert und weitere 159 Millionen Euro jährlich bereitgestellt werden. Sollen zudem alle Kitas in Niedersachsen eine professionelle Leitungsausstattung erhalten, braucht es weitere 1527 vollzeitbeschäftigte Leitungskräfte. Dies würde jährlich zusätzlich 88 Millionen Euro kosten.

Die derzeit geplante Verteilung der Bundesmittel im Gute-Kita-Gesetz über das Finanzausgleichsgesetz berücksichtige nicht die Zahl der betreuten Kinder. Dadurch würden jene Länder mit vielen Kindern in Kitas und Kindertagespflege benachteiligt.

GEW fordert Qualitätsgesetz

Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert vor diesem Hintergrund, die Qualität in den Kitas sicherzustellen. „Wir brauchen endlich ein ‚Bundes-Kita-Qualitätsgesetz‘. Nach dem quantitativen Ausbau muss jetzt das Augenmerk auf die Qualität des Angebots der Kindertagesstätten gelegt werden“, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe unserer Redaktion. Vor dem Hintergrund des „Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung erklärte Tepe, dass der aktuelle Entwurf für ein Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung „völlig unzureichend“ sei.

Wachsender Fachkräftemangel

„Der Geburtsort eines Kindes darf nicht über dessen Bildungsweg entscheiden. Der Bund muss jetzt handeln und ein in allen Ländern verbindliches Gesetz auf den Weg bringen. Es soll einen Beitrag leisten, für Kinder bundesweit vergleichbare Lebensverhältnisse zu schaffen.“ Eckpunkte des Gesetzes müssten Standards sein, die die Erzieher-Kind-Relation, die Freistellung der Leitungskräfte, die Fachberatung und die Anerkennung mittelbarer pädagogischer Arbeitszeit festschreiben. Mit Blick auf den wachsenden Fachkräftemangel bedeute ein „Weiter so“, sich am Rande zur Gefährdung des Kindeswohls zu bewegen.

Zehn Milliarden zusätzlich

Tepe forderte den Bund auf, jährlich rund zehn Milliarden Euro zusätzlich in den Kita-Bereich zu investieren. Der Bund sei in der Verantwortung, sich dauerhaft an den Kosten der frühkindlichen Bildung zu beteiligen, damit die Länder Planungssicherheit haben. Die GEW-Vorsitzende betonte, dass die 5,5 Milliarden Euro, die die Bundesregierung zur Qualitätsverbesserung in den Kitas bis 2020 bereitstellen will, „bei weitem nicht reichen“.

Tepe unterstrich, dass die Kitas auf einen „exorbitanten Fachkräftemangel“ zusteuerten: „Wenn jetzt nicht sofort die Ausbildungskapazitäten hochgefahren werden und der Beruf attraktiver gestaltet wird, fehlen bis 2025 – je nach Rechenmodell – bis zu 600.000 Fachkräfte.“ Zusätzlich zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen müssten Erzieherinnen und Erzieher deutlich besser als bisher bezahlt werden. (mit epd)


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