Ein Bild von Melanie Heike Schmidt
24.08.2018, 16:28 Uhr KOMMENTAR

Insektenfleisch auf unseren Tellern: Eine Frage der Zeit

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Mit Krabbelgetier gegen den Welthunger: Experten erwarten, dass der Trend zum Insekten-Essen auch hierzulande steigt. Um die Ekel-Schwelle zu senken, werden die Tiere derzeit zu Mehl verarbeitet und untergemischt, etwa im Pasta-Teig. Foto: Marijan Murat/dpaMit Krabbelgetier gegen den Welthunger: Experten erwarten, dass der Trend zum Insekten-Essen auch hierzulande steigt. Um die Ekel-Schwelle zu senken, werden die Tiere derzeit zu Mehl verarbeitet und untergemischt, etwa im Pasta-Teig. Foto: Marijan Murat/dpa

Osnabrück. Für etwa zwei Milliarden Menschen auf der Welt ist das Essen von Insekten normal. Hierzulande läuft der Absatz von Insekten-Produkten eher zögerlich. Noch.

Die ersten Nudeln mit Insektenmehl stehen in hiesigen Supermärkten. Gut so. Ein Schwenk hin zu mehr Insektenfleisch kann helfen, das globale Ernährungsproblem zu lösen. Immer mehr Menschen verlangen nach immer mehr Fleisch, allein in China hat sich der Konsum seit 1970 versechsfacht, ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Fakten sprechen für die Insekten: Die Umweltbilanz beim Züchten von Würmern und Co. fällt um Längen besser aus als bei der klassischen Fleischproduktion. Für ein Kilo Insektenfleisch benötigt der Züchter zwei Kilo Futter, beim Rind sind es mindestens acht. Ähnlich überlegen sind die Insekten-Werte beim Wasser- oder Flächenverbrauch. Selbst die Ethik-Frage ist geklärt: Insekten lieben Massentierhaltung. Alles gut also? Nicht ganz. Nicht nur der Kopf, auch das Auge isst mit. Und hier lauert der Ekel.

Allerdings: Ekel ist kulturell geprägt. Genau wie eine Gesellschaft lernen kann, Hirn oder Euter fies zu finden, kann sie lernen, Insekten zu mögen. Werden dann noch offene Fragen geklärt, etwa zu Hygiene oder Allergien, könnten Ess-Insekten auch bei uns normal werden. Doch das braucht Zeit.

Wer sofort umweltfreundlicher essen will, könnte sich an einer Studie der Universität Halle-Wittenberg orientieren. Danach isst die deutsche Durchschnittsfrau vergleichsweise ressourcenschonend: wenig Fleisch, viel Obst und Gemüse. Manchmal ist es so einfach.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN