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Hilfe für ländliche Gebiete „Möglichst nah dran“: Steinmeier in der Uckermark

Von dpa

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Zukunft ländlicher Räume zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit gemacht. Foto: Wolfgang KummBundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Zukunft ländlicher Räume zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit gemacht. Foto: Wolfgang Kumm

Tantow/Prenzlau. Probleme auf dem Land gibt es viele: Schulen schließen, Arztpraxen machen dicht, und der Bus kommt auch nicht mehr. Der Bundespräsident hat das Thema zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit gemacht. In der Uckermark sieht er aber auch Dinge, die Mut machen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft die Politik dazu auf, sich mehr für die ländlichen Regionen in Deutschland zu engagieren. Das Grundgesetz habe den Auftrag gegeben, für gleichwertige Lebensbedingungen zu sorgen, sagte Steinmeier im brandenburgischen Prenzlau.

„Wir müssen uns daran erinnern, dass Politik präsent sein muss, nicht nur in den größeren und kleineren Städten, sondern auch in den ländlichen Regionen - möglichst nah dran an den Menschen.“

Bei seiner Reise in den Landkreis Uckermark informierte sich Steinmeier über die Sorgen und Nöte ländlicher Gebiete, die mit schwindenden Bevölkerungszahlen zurechtkommen müssen. Wenn Schulen und Arztpraxen geschlossen haben, der kleine Lebensmittelladen nicht mehr existiert und auch die einzige Busverbindung abgeschafft werden soll, dann gibt es nach Steinmeiers Ansicht Handlungsbedarf.

„Es macht keinen Sinn, den ländlichen Raum entweder zu idealisieren oder aber abzuschreiben“, sagte er in Prenzlau. Notwendig seien „neue Ideen und innovative Modelle“, wie das Leben auf dem Land attraktiv gehalten werden könne.

Der dünn besiedelte Landkreis Uckermark, in dem auch Kanzlerin Angela Merkel aufgewachsen ist, hatte 1990 noch 170.000 Einwohner. Heute sind es gut 120.000. Bis 2040 könnte die Zahl nach Schätzungen auf 90.000 sinken. Insgesamt leben in Deutschland derzeit 57 Prozent der Menschen in ländlichen Gebieten.

In Tantow nahe der polnischen Grenze besuchten Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender zunächst eine deutsch-polnische Kindertagesstätte und die freiwillige Feuerwehr. Die Gemeinde profitiert vom Zuzug vieler Polen, die dort günstiger wohnen können als in der Großstadt Stettin auf der anderen Seite der Grenze. Während 2010 die örtliche Kindertagesstätte mit nur noch 11 Kindern vor der Schließung stand, sind es heute über 60 - die Hälfte aus polnischen Familien.

In Prenzlau informierte sich Steinmeier über alternative Formen der Energiegewinnung und innovative Modelle im öffentlichen Nahverkehr. In Templin wollte er später Probleme der ärztlichen Versorgung erörtern und mit Kulturschaffenden zusammentreffen.

Der Besuch der Uckermark stand unter dem Motto „Land in Sicht“. Bereits im Juni hatte Steinmeier ländliche Gebiete in Ostbayern bereist. Ostsachsen und der Pfälzer Wald sollen noch in diesem Jahr folgen. Studien zeigen, so heißt es im Präsidialamt, dass nicht Migration und Flüchtlinge den Menschen die größten Sorgen machen, sondern die schlechte soziale Infrastruktur: Bus, Krankenhaus, Pflege. Darauf reagiert Steinmeier mit seiner Reise-Initiative. „Die Währung des Bundespräsidenten ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen“, sagt er.


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