Nach Lockerung des Verbots Hakenkreuze in Videospielen: "Kritik daran nicht nachvollziehbar"

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Szene aus dem Spiel "Indiana Jones and the Last Crusade" (1989) – in der Version für den Deutschen Markt sind keine Hakenkreuze zu sehen. Screenshot: Youtube/silenigSzene aus dem Spiel "Indiana Jones and the Last Crusade" (1989) – in der Version für den Deutschen Markt sind keine Hakenkreuze zu sehen. Screenshot: Youtube/silenig

Köln. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) üben Kritik an der USK wegen Hakenkreuzen in Spielen. Dort bleibt man gelassen.

Computerspiele können künftig in Deutschland eine Altersfreigabe erhalten, auch wenn sie Hakenkreuze oder SS-Runen enthalten, das wurde vor zwei Wochen bekannt. Bis Anfang August waren Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Computerspielen verboten. Nach einer neuen Regelung entscheiden die Gremien der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zur Freigabe von Spielen nun über die sogenannte Sozialadäquanz: Tragen die gezeigten Symbole zu einer adäquaten Darstellung des Zeitgeschehens oder der Geschichte bei, erteilt die USK den Spielen die Altersfreigabe. Für viele Computerspiele und die Branche ein längst überflüssiger Schritt. Für einige Politiker und den Deutschen Gewerkschaftsbund offenbar ein Grund zur Kritik. 

Kritik aus der Politik

So hat sich Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) gegen das Zeigen von verfassungswidrigen Symbolen in Computerspielen ausgesprochen. "Mit Hakenkreuzen spielt man nicht", lautet das schmissige Zitat, das in den Zeitungen der Funke Mediengruppe zu lesen ist. "Gerade in Deutschland müssen wir uns auch heute unserer besonderen historischen Verantwortung immer bewusst sein."

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Computerbranche davor gewarnt, in ihren Spielen den NS-Terror zu verharmlosen. Schon vor Beginn der weltweit größten Computerspielemesse Gamescom an diesem Dienstag in Köln wandte sich DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach dagegen, für Computerspiele das Verbot des Anwendens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen aufzuweichen. Sonst laufe man Gefahr, "ein schleichendes und unkritisches Etablieren von NS-Symbolen auf allen digitalen Plattformen" zu ermöglichen. 

So wurde das Verbot in der Vergangenheit umgesetzt:

In einem Brief an Bundesjustizministerin Katarina Barley schreibt Buntenbach: "Die Ächtung der Symbole des NS-Unrechtsregimes ist ein Gebot unseres Grundgesetzes. [...] Auch in Zeiten der Digitalisierung muss gewährleistet werden, dass in Deutschland strengste Maßstäbe gewahrt bleiben." 

USK und Verband weisen Kritik zurück

USK und dem Verband der deutschen Games-Branche e.V. (game) positionieren sich deutlich gegen diese kritischen Töne. Felix Falk, Geschäftsführer des game, sagte unserer Redaktion: "Die Kritik des DGB-Vorstandsmitglieds Annelie Buntenbach ist für uns nicht nachvollziehbar. Am generellen Verbot verfassungswidriger Symbole ändert sich überhaupt nichts." So dürften weiterhin nur in begründeten Einzelfällen, etwa in künstlerischen, wissenschaftlichen oder zeitgeschichtlichen Zusammenhängen, solche Symbole in einem Spiel verwendet werden.

Das erste Spiel, bei dem die sogenannte Sozialadäquanzklausel angewendet wird und NS-Symbole zeigt, ist "Through the Darkest of Times". Es wurde auf der Gamescom vorgestellt. Spieler versetzen sich darin in die Situation von Widerstandskämpfern im Zweiten Weltkrieg. Uniformierte SS-Männer tragen etwa Armbinden mit Hakenkreuzen. "Bei diesem Titel wird schnell deutlich, dass es einen wertvollen Beitrag bei der Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus leistet, mit dem gerade auch jüngere Generationen erreicht und zum Nachdenken angeregt werden", sagt Falk, und ergänzt: "Wir können Frau Buntenbach nur dazu ermuntern, das erste Spiel, bei dem von der Sozialadäquanzklausel Gebrauch gemacht wurde, ,Through the Darkest of Times‘ selbst auszuprobieren."

"Der Staat ist bei diesem Verfahren beteiligt"

Auch die USK äußert Unverständnis über die Kritik der Politiker. Zu den Vorwürfen Buntenbachs, die Neuregelung berge "erhebliche Missbrauchsgefahren", sagt USK-Geschäftsführerun Elisabeth Secker: "Die unabhängigen Prüfgremien der USK, bestehend aus Jugendschutzsachverständigen und einem ständigen Vertreter der obersten Landesjugendbehörde, prüfen seit fast 25 Jahren gewissenhaft und sorgfältig jede Altersfreigabe. Der Staat ist bei diesem Verfahren beteiligt."

Und Secker fährt fort: "Spiele können nicht nur Kunst sein, sondern dazu auch wichtige Botschaften vermitteln. Es gibt pädagogisch wertvolle Spiele im Bereich der Serious Games, die sich kritisch mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzen." Es sei überfällig, dass Spiele nun mit Filmen gleichgesetzt seien.


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