Serie Ritterorden gestern und heute Malteser: Kreuzritter und Helfer zugleich - und heute der kleinste Staat der Welt

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Osnabrück. Er ist der älteste katholische Orden, der vor genau 970 Jahren das Hospital erfand – und ist somit die Urzelle für heutige Krankenhäuser, aber auch für die Hospizbewegung. Bis heute kämpfen die Malteser gegen das Elend in der Welt, etwa in der Flüchtlingshilfe.

Haben Sie Blasensteine? Leiden Sie an Grauem Star? Für viele Menschen im 16. Jahrhundert waren das unheilbare Leiden. Nicht so für die Chirurgen des Malteserordens, die internationalen Ruf genossen und oft auch von ausländischen wohlhabenden Patienten konsultiert wurden. In ihrem Hospital auf der Insel Malta führten sie nach 1530 in der „Sacra Infermeria“ erfolgreich chirurgische Eingriffe durch. Sie entfernten auch Rückentumore und machten Schädeloperationen. Dabei arbeiteten die Ärzte immer gegen die Uhr: Da die üblichen Betäubungsmittel wie Alkohol oder Kräuter nicht besonders effektiv wirkten, kam es darauf an, möglichst schnell zu operieren. Der jeweilige Großmeister, der quasi Chefarzt und Ordensleiter in Personalunion war, war in der Regel auch der beste Mediziner. Einer der Großmeister konnte zum Beispiel einen Blasenstein in einer nur zweiminütigen Operation entfernen.

Moderne Hygiene

Schon in der damaligen Blütezeit des Malteserordens wurde die Hygiene groß geschrieben, was heute noch fortschrittlich wirkt. Jeder Patient hatte seine eigene Krankennummer, die Farbe seines Vorhangs am Bett wies auf die Art seiner Erkrankung hin. Zudem hatte jeder Patient einen eigenen Abluftschacht und einen eigenen Abort in einer Nische hinter seinem Bett. Noch heute zeigt ein Museum im Gebäude des Hospitals in der maltesischen Hauptstadt Valletta die Organisation des Krankenhauses.

Leitlinie: Den Bedürftigen helfen

Seit seiner Gründung im 11. Jahrhundert war der älteste katholische Ritterorden durch modernes Denken geprägt. So beschäftigte der Orden schon damals auch muslimische Ärzte, die in dieser Zeit über die fortschrittlichste Medizin verfügten. Für die Forschung wurden Leichen seziert, was in der abendländischen Medizin lange als Tabu galt. Der Orden behandelte im Übrigen auch verletzte oder erkrankte Muslime – für die damalige Zeit absolut ungewöhnlich. Bis heute spiegelt sich die Tradition der Malteser in deren Arbeit wieder. Der Kanzler des deutschen Zweigs des Malteserordens, Stephan Freiherr Spies von Büllesheim, sagte unserer Redaktion: „Den Bedürftigen helfen und den Glauben bezeugen, das ist das zentrale Selbstverständnis der Malteser seit mehr als 900 Jahren. Den Anspruch haben wir noch heute.“

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Schutz und Hilfe für Pilger

Es waren italienische Kaufleute aus Amalfi, die 1048 in Jerusalem ein Hospital gründeten, um Pilgern Schutz und Hilfe in der Heiligen Stadt zu geben – insbesondere den vielen Kranken unter ihnen. Das war übrigens noch unter muslimischer Herrschaft und lange vor dem ersten Kreuzzug. Die Bruderschaft konnte im „Spital des heiligen Johannes“ schon damals 2000 Kranke aufnehmen, die als „die Herren Kranken“ behandelt wurden, in deren Dienst sich die Bruderschaft stellen wollte.

Die Hospitaliter kamen 1113 unter den Schutz der Kirche und wurden unabhängig, es entstand der weltweit erste christliche Krankenpflegeorden. Mit der Gründung des Königreichs von Jerusalem wuchs dem Orden, der damals noch Orden des heiligen Johannes oder auch Johanniterorden genannt wurde, aber auch die Aufgabe zu, Kranke und Pilger sowie die wichtigsten Verkehrswege militärisch zu schützen, es entstand ein Ritterorden. Ab dem 13. Jahrhundert trugen die Brüder statt der Mönchskutte zunehmend einen schwarzen Mantel mit weißem Kreuz, das in acht Spitzen endete, später einen roten Mantel mit diesem Kreuz. Es ist bis heute das Emblem der Malteser geblieben. Nach der Reformation spaltete sich die Gemeinschaft übrigens in die katholischen Malteser und die evangelischen Johanniter.

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Von Kreuzrittern zur Hilfsorganisation

„Jeder kennt den Malteserorden als Teil der Kreuzzüge, man kennt die Kriege. Aber heute ist der Orden eine internationale Organisation, die sich darauf beschränkt, denen zu helfen, die der Hilfe bedürfen“, sagte der Präsident des maltesischen Zweigs des Ordens, Marchesino Daniel de Petri Testaferrata kürzlich in der ZDF-Sendung „Aspekte on Tour“.

Dabei war der Orden im Laufe seiner Geschichte immer wieder auf der Flucht, was der umständliche Name wieder spiegelt: „Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos und von Malta“. Jahrhundertelang vertrieben die Muslime den Orden, zunächst aus Palästina, so dass der Sitz 1291 nach Zypern verlegt wurde, 1503 nach Rhodos und nach der erneuten Vertreibung durch die Osmanen 1530 auf die Insel Malta, wodurch der Orden seine heutige Bezeichnung „Malteser“ erhielt. Noch heute prägen die Befestigungsanlagen des Ordens aus hellem Sandstein das Erscheinungsbild der Insel im Mittelmeer – und die Hauptstadt Maltas namens Valletta ist nach dem Großmeister Jean de la Valette benannt.

Krieg gegen die Osmanen

Der Kampf gegen die Osmanen prägte neben der Hospitalarbeit die Malteser. Immer wieder mussten sie sich gegen die Raubzüge des osmanischen Herrschers Süleyman der Prächtige zur Wehr setzen, der bei der „großen Belagerung“ 1565 Malta angriff. Der Orden hatte sich darauf vorbereitet und unter seinem Großmeister Jean de la Valette noch rechtzeitig die Verteidigungsanlagen ausgebaut. Trotz der überwältigenden Übermacht der 40 000 Osmanen konnten die 750 Malteser-Ritter mit 8000 maltesischen Kämpfern die Insel verteidigen. Am Ende mussten die Türken nach vier Monaten schwerster Kämpfe erfolglos abziehen, sie verzeichneten 24 000 Tote. Auf Gräueltaten der Osmanen antworteten die Malteser dabei in gleicher Weise: Als die Muslime Christen kreuzigten und ins Wasser warfen, „gingen die Malteserritter in ihre Verliese, schnitten den gefangenen Osmanen die Köpfe ab, steckten sie in Kanonen und schossen sie in den Hafen“, sagte Präsident de Petri Testaferrata im ZDF: „Das war kein Highlight in der Geschichte des Ordens.“ Später hätten die Ritter längere Zeit osmanische Schiffe gekapert und die Osmanen als Sklaven verkauft.

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Heute Sitz in Rom

1789 übergaben die Ordensritter die Insel dann kampflos an Napoleon. Der Grund: Laut Ordensregel dürfen Malteser nicht das Schwert gegen andere Christen erheben. Danach gab der Orden seine militärische Funktion auf. Geblieben ist bis heute die ritterliche Tradition. Nach der Vertreibung von Malta fand der Orden dann 1834 in Rom seinen neuen Sitz und wurde 1953 als religiöser und souveräner Orden anerkannt.

Eigene Pässe und Kennzeichen

Es ist ein kurioses Gebilde, weil die Malteser gleichzeitig Ritterorden, kirchlicher Orden und politisch völkerrechtlich souverän sind. Der Orden hat einen Sitz bei der UN, pflegt diplomatische Kontakte zu 107 Staaten und hat eigene Pässe, Briefmarken und Münzen. Sogar ein eigenes Kennzeichen gehört dazu: SMOM. Für die praktische Arbeit ist es durchaus von Vorteil, dass der Malteserorden der kleinste Staat der Welt ist: Wegen seiner politischen Neutralität wird der Orden in Konfliktregionen als Vermittler akzeptiert, so etwa in Kurdistan, Kambodscha oder Nordkorea. Bei Naturkatastrophen können Medikamente und Hilfsgüter zollfrei als Diplomatengepäck ins Land gebracht werden. Manches wird gar nicht öffentlich, Verschwiegenheit gehört zur Geschäftsgrundlage.

Machtkampf im Orden

Vielleicht sorgte genau deswegen auch der Machtkampf 2017 bei den Maltesern für so viel Aufsehen. In der traditionsbewussten Organisation, die quasi ein moderner Weltkonzern mit betenden und überwiegend adligen Topmanagern ist und dem Heiligen Stuhl untersteht, spielten die Kirchenkämpfe hinein. 2017 setzte der amtierende Großmeister Robert Matthew Festing plötzlich den Großkanzler, den Deutschen Albrecht von Boeselager, ab. Die fadenscheinige Begründung lautete, in einem Hilfsprojekt von Malteser International in Myanamar seien Kondome zur Aids-Prävention verteil worden – die katholische Lehre verbietet aber die Verwendung von Kondomen. Boeselager sah darin aber den Angriff einer ultrakonservativen Clique gegen den progressiveren Kurs der Deutschen Bischöfe und vor allem gegen Papst Franziskus und weigerte sich zu gehen. Er setzte sich durch: Der Papst rehabilitierte Boeselager und forderte kurzerhand den Großmeister Festing zum Rücktritt auf, der dem folgte – ein einmaliger, durchaus skandalöser Vorgang, da die Großmeister üblicherweise auf Lebenszeit ernannt werden.

Spenden und Einnahmen

Aus der Zeit gefallen wirkt heutzutage die Struktur des Ordens: Von rund 13 000 Rittern und Damen legt ein Teil immer noch ein Gelübde ab und schwört Keuschheit, Armut und Gehorsam. Etwa 650 stammen aus Deutschland, darunter auch Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt. Obwohl viele Ritter und Verantwortliche aus Adelshäusern stammen, ist der Orden aber nicht reich. Die Hilfswerke müssen sich selbstständig tragen, leben von erzielten Einnahmen, aber auch Spenden und staatlichen Zuwendungen. Genaue Zahlen gibt es nicht, dass der Umsatz wie von manchen geschätzt bei über einer Milliarde Euro liegt, wird aus Malteser-Kreisen bestritten.

Malteser-Hilfsdienst

In Deutschland ist das wichtigste Ordenswerk der Malteser-Hilfsdienst, eine der großen nationalen Hilfsorganisationen. Er betreibt zehn Krankenhäuser und 30 Altenheime, Rettungsstationen und Behindertenfahrdienste, ist bei der Erste-Hilfe-Ausbildung aktiv und ist bei Katastrophen im Einsatz. Mit fast 32 000 hauptamtlichen Mitarbeitern sind die Malteser einer der großen Arbeitgeber im Sozial- und Gesundheitswesen.

Markenzeichen ist die Flüchtlingshilfe

Der Sanitätsdienst der Malteser. Foto: Wolf Lux

Die Flüchtlingshilfe ist ein zentrales Thema, und das seit Langem. Der erste große Einsatz des neugegründeten Malteser Hilfsdienstes war 1956 nach dem Ungarnaufstand die Flüchtlingsbetreuung, heute hilft er syrischen Flüchtlingen. Dazu sagte der Kanzler des deutschen Zweigs des Malteserordens, Stephan Freiherr Spies von Büllesheim, unserer Redaktion: „Schon vor der großen Flüchtlingskrise 2015 war die Hilfe für Flüchtlinge ein Markenzeichen der Malteser.“ Jeder vierte Flüchtling, der nach Deutschland kam, sei irgendwann von den Maltesern betreut worden. „Das Motto: „Wir schaffen das“, war unsere gelebte Überzeugung“, sagt Freiherr Spies. „Wir haben nicht geredet, wir haben zugepackt.“


Drei Fragen an Stephan Freiherr Spies von Büllesheim, Kanzler der deutschen Assoziation des Malteserordens:

Was zeichnet die Arbeit des Malteser Hilfsdienstes aus?

Die Malteser helfen Menschen, die in Not sind, weil wir in jedem Bedürftigen ein Ebenbild Jesu sehen. Modern ausgedrückt: Wir wollen helfen „um der Würde des Menschen willen“. Wir wollen keine Gewinne erzielen, müssen aber auch ausgewogen wirtschaften. Beeindruckende Gewinne erzielen wir gesesellschaftlich und ganz persönlich jenseits des Geldes.“

Inwiefern spiegeln sich die Traditionen des Malteserordens darin wider?

Den Bedürftigen helfen und den Glauben bezeugen, das ist das zentrale Selbstverständnis der Malteser von Anfang an, seit über 900 Jahren. Den Anspruch haben wir heute noch. Schwierig wird es, Mithelfer zu finden. Wir wollen dabei nicht nur auf die Ausbildung schauen, sondern auch auf den „Geist“ aus dem heraus geholfen werden soll. Das ist die Herausforderung heutzutage.

Die Malteser sind seit der Flüchtlingskrise ja verstärkt in der Flüchtlingshilfe aktiv: Was haben Sie erreicht?

Die Malteser helfen Menschen, die in Not sind, weil wir in jedem Bedürftigen ein Ebenbild Jesu sehen. Modern ausgedrückt: Wir wollen helfen „um der Würde des Menschen willen“. Wir wollen keine Gewinne erzielen, müssen aber auch ausgewogen wirtschaften. Beeindruckende Gewinne erzielen wir gesesellschaftlich und ganz persönlich jenseits des Geldes.“

Was zeichnet die Arbeit des Malteser Hilfsdienstes aus?

Die Malteser helfen Menschen, die in Not sind, weil wir in jedem Bedürftigen ein Ebenbild Jesu sehen. Modern ausgedrückt: Wir wollen helfen „um der Würde des Menschen willen“. Wir wollen keine Gewinne erzielen, müssen aber auch ausgewogen wirtschaften. Beeindruckende Gewinne erzielen wir gesesellschaftlich und ganz persönlich jenseits des Geldes.“

Inwiefern spiegeln sich die Traditionen des Malteserordens darin wider?

Den Bedürftigen helfen und den Glauben bezeugen, das ist das zentrale Selbstverständnis der Malteser von Anfang an, seit über 900 Jahren. Den Anspruch haben wir heute noch. Schwierig wird es, Mithelfer zu finden. Wir wollen dabei nicht nur auf die Ausbildung schauen, sondern auch auf den „Geist“ aus dem heraus geholfen werden soll. Das ist die Herausforderung heutzutage.

Die Malteser sind seit der Flüchtlingskrise ja verstärkt in der Flüchtlingshilfe aktiv: Was haben Sie erreicht?

Den Bedürftigen helfen und den Glauben bezeugen, das ist das zentrale Selbstverständnis der Malteser von Anfang an, seit über 900 Jahren. Den Anspruch haben wir heute noch. Schwierig wird es, Mithelfer zu finden. Wir wollen dabei nicht nur auf die Ausbildung schauen, sondern auch auf den „Geist“ aus dem heraus geholfen werden soll. Das ist die Herausforderung heutzutage.

Was zeichnet die Arbeit des Malteser Hilfsdienstes aus?

Die Malteser helfen Menschen, die in Not sind, weil wir in jedem Bedürftigen ein Ebenbild Jesu sehen. Modern ausgedrückt: Wir wollen helfen „um der Würde des Menschen willen“. Wir wollen keine Gewinne erzielen, müssen aber auch ausgewogen wirtschaften. Beeindruckende Gewinne erzielen wir gesesellschaftlich und ganz persönlich jenseits des Geldes.“

Inwiefern spiegeln sich die Traditionen des Malteserordens darin wider?

Den Bedürftigen helfen und den Glauben bezeugen, das ist das zentrale Selbstverständnis der Malteser von Anfang an, seit über 900 Jahren. Den Anspruch haben wir heute noch. Schwierig wird es, Mithelfer zu finden. Wir wollen dabei nicht nur auf die Ausbildung schauen, sondern auch auf den „Geist“ aus dem heraus geholfen werden soll. Das ist die Herausforderung heutzutage.

Die Malteser sind seit der Flüchtlingskrise ja verstärkt in der Flüchtlingshilfe aktiv: Was haben Sie erreicht?

Wir Malteser haben zusammen mit den anderen Hilfsorganisationen und vielen Bürgern geholfen, eine enorme Herausforderung der Bundesrepublik Deutschland so zu meistern, dass sie nicht zu einer Existenzkrise für Deutschland oder für die Europäische Union wird. Ohne die Arbeit der Ehrenamtlichen in Deutschland, hätte es wohl heißen müssen: „Wir schaffen das n i c h t.“ Wir haben nicht geredet, sondern zugepackt. Jeder vierte Flüchtling ist irgendwann von den Maltesern betreut worden. Ich finde, darauf können wir stolz sein.

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