Migration Brot für die Welt begrüßt wachsendes Interesse deutscher Firmen an Afrika

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Besuch aus Angola in Berlin: Kanzlerin Angela Merkel sagt dem Staatspräsidenten Joao Lourenco deutsche Hilfe zu. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpaBesuch aus Angola in Berlin: Kanzlerin Angela Merkel sagt dem Staatspräsidenten Joao Lourenco deutsche Hilfe zu. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Osnabrück. Deutschlands Wirtschaft investiert etwas mehr in Afrika. Die Hilfsorganisation Brot für die Welt lobt das, warnt aber auch: „Afrika braucht keine Investoren, die mit viel Auslandskapital am Ende mehr Arbeitsplätze in der Landwirtschaft oder im informellen Sektor zerstören, als sie neu errichten. Das sehen wir viel zu oft.“

Hilfsorganisationen wie „Brot für die Welt“ begrüßen das wachsende Engagement deutscher Unternehmen in Afrika. „Für die Menschen dort ist es zweitrangig, woher das Unternehmen kommt, sondern dass es sich langfristig engagieren will und die Arbeitsplätze sicher sowie anständig bezahlt sind“, sagte Reinhard Palm, Leiter der Abteilung Afrika von Brot für die Welt, unserer Redaktion. Am Ende komme es darauf an, dass deutsche Unternehmen die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika stärkten und nicht schwächten.

Zuvor hatte der Vorsitzende des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, Stefan Liebing, der Nachrichtenagentur dpa gesagt: „Wir sehen eine deutlich steigende Investitions- und Handelstätigkeit mit unserem Nachbarkontinent.“ In diesem Jahr wollten deutsche Firmen in Afrika Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro tätigen. Damit würde der Investitionsbestand in nur einem Jahr um über zehn Prozent steigen.

Das ist offenbar auch eine Konsequenz einer veränderten Afrika-Politik der Bundesregierung. So hatte der Bund zuletzt für eine Reihe von afrikanischen Staaten die Bedingungen für Exportkredit-Garantien erleichtert. Das stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel auch dem Präsidenten Angolas, João Lourenço, am Mittwoch bei Gesprächen in Berlin in Aussicht. Bei Wasserkraft und Tourismus könne Deutschland „gern“ mehr tun.

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Mit dieser Politik erfüllt die Bundesregierung eine langjährige Forderung der Wirtschaft. Mit 1,09 Milliarden Euro habe sich das Deckungsvolumen für Afrika in den ersten sechs Monaten verdoppelt und liege damit schon jetzt über dem Niveau des gesamten Vorjahres, sagte Liebing. So habe Volkswagen im Juni ein Montagewerk in der ruandischen Hauptstadt Kigali eröffnet. Und Strabag baue in Südafrika derzeit an der höchsten Brücke des Kontinents. Das deutsche Unternehmen Gauff Engineering und ein chinesischer Konzern arbeiteten in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo zusammen an der längsten Hängebrücke Afrikas.

„Wenn die Bundesregierung im Rahmen der Wirtschaftsförderung deutsche Unternehmen mit Exportgarantien bei ihrem Gang nach Afrika unterstützen will, finden wir das prinzipiell gut“, kommentriert Afrika-Experte Palm von Brot für die Welt das Vorgehen. So müssten sich Unternehmen in der lokalen Produktion und der Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Gütern engagieren. Zugleich warnte er: „Afrika braucht keine Investoren, die mit viel Auslandskapital am Ende mehr Arbeitsplätze in der Landwirtschaft oder im informellen Sektor zerstören, als sie neu errichten. Das sehen wir viel zu oft.“

Migrationsdruck hält an

Unterdessen hält der Migrationsdruck aus Afrika auf Europa an. Erst am Mittwoch schafften es mindestens 115 Migranten von Marokko aus in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta zu gelangen. China ist seit Jahren einer der ganz großen Investoren in Afrika und für die meisten Länder dort auch der wichtigste Handelspartner. Allein 2016 hat die Volksrepublik nach Angaben des Afrika-Vereins auf dem Kontinent mehr als doppelt so viele neue Direktinvestitionen getätigt wie die Vereinigten Staaten. Deutschland dagegen gehöre aktuell nicht einmal zu den zehn größten Investoren in Afrika.


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