„Freiwilligendienste stärken“ Sozialverband VdK für Schulpraktika statt Dienstpflicht

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VdK-Präsidentin Verena Bentele. Foto: dpaVdK-Präsidentin Verena Bentele. Foto: dpa

Osnabrück. So weit sind sich alle einig: Gesellschaftliches Engagement junger Menschen ist wertvoll und macht unseren Alltag lebendiger. Umstritten bleibt aber, ob das Engagement freiwillig sein oder es ein verpflichtendes Dienstjahr geben sollte. Dazu hat jetzt ein weiterer großer Sozialverband klar Stellung bezogen.

Der Sozialverband VdK hat sich gegen eine soziale Dienstpflicht ausgesprochen, wie sie CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ins Gespräch gebracht hat. VdK-Präsidentin Verena Bentele plädierte im Gespräch mit unserer Redaktion stattdessen für eine Stärkung der Freiwilligendienste wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr und dem Bundesfreiwilligendienst.

Bentele warnte, es werde nicht funktionieren, „dass der Fachkräftemangel in der Pflege durch ein verpflichtendes soziales Jahr gelöst wird“. Gesellschaftliches Engagement sei eine Zeit der Persönlichkeitsentwicklung und des Lernens. „In dieser Zeit wird man keine ausgebildete Fachkraft.“

Die VdK-Präsidentin verlangte, die Freiwilligendienste müssten attraktiver gestaltet werden, indem man sie durch Teilzeitangebote flexibler macht. Zur Anerkennung des sozialen Einsatzes sollte es nach den Vorstellungen des VdK etwa Vergünstigungen im Nahverkehr geben. Außerdem plädierte Bentele dafür, gesellschaftliches Engagement bei der Vergabe von Ausbildungs- und Studienplätzen positiv zu berücksichtigen.

Als Einstieg in ein solches Engagement wäre nach den Worten der VdK-Präsidentin auch ein mehrwöchiges Schulpraktikum vorstellbar. „Das würde allen jungen Menschen, unabhängig von Herkunft, Bildung oder finanziellen Möglichkeiten einen Einsatz für die Gemeinschaft ermöglichen. Dieser Einsatz ist richtig und wichtig. Denn ein Zusammenleben kann nur funktionieren, wenn alle einen Beitrag leisten.“

Auch eine Reihe führender Politiker lehnen eine Dienstpflicht ab und fordern, Freiwilligendienste attraktiver zu machen. So könnten möglichst viele mitmachten, argumentiert Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verweist auf das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr. Es gehe um „Motivation statt Pflicht“, sagt sie.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fordert einen Rechtsanspruch beim Bundesfreiwilligendienst. Dass junge Leute den Wunsch hätten, nach Ausbildung oder Abitur ein freiwilliges soziales Jahr zu leisten, sei eine positive Entwicklung, so Altmaier. Er fordert: „Wir sollten jedem jungen Menschen, der dies tun möchte, per Rechtsanspruch einen Platz garantieren, stärker dafür werben und geleistete Dienste gesellschaftlich anerkennen.“


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