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22.08.2018, 14:34 Uhr FLÜCHTLINGSKRISE

Hilfe für Afrika: Eine Jahrhundertaufgabe, die Deutschland überfordert

Kommentar von Marion Trimborn

Afrika ist der Schlüssel für die Flüchtlingskrise. Foto: Gioia Forster/dpaAfrika ist der Schlüssel für die Flüchtlingskrise. Foto: Gioia Forster/dpa

Osnabrück. Der Schlüssel zur Flüchtlingskrise liegt in Afrika. Die Bundesregierung hat deshalb den Nachbarkontinent als großes Thema entdeckt. Vollmundige Versprechungen und Geldströme reichen aber nicht. Ein Kommentar

Die Bundesregierung hat einen neuen Kontinent entdeckt, und der heißt Afrika. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Kanzlerin Merkel und ihre Minister ihr Engagement für den Nachbarkontinent betonen. Warum so plötzlich?

Aus purem Egoismus. Weil sich die Jahrzehnte des Wegsehens rächen, in denen Deutschland den Kontinent sich weitgehend selbst überließ, sowie den Franzosen und später den Chinesen. Seit der Flüchtlingskrise 2015 ist jedem klar, dass das Schicksal Europas auf Jahrzehnte hinweg an Afrika hängt, das bald zwei Milliarden Einwohner haben wird, von denen viele nur noch weg wollen.

Die Afrikawende der Regierung ist im Prinzip eine gute Sache. Aber vollmundige Versprechen und dicke Geldpakete für Grenzschutz und bessere Lebensbedingungen reichen nicht. Geld füllt zumeist nur afrikanischen Machthabern die Kassen. Dass deutsche Firmen in Afrika investieren sollen, bleibt ein frommer Wunsch, solange Korruption und unsichere Gesetze herrschen.

Um Afrikas Flüchtlingskrise zu lösen, ist mehr nötig und da ist die EU gefragt. Es braucht fairen Handel, den Wegfall von Zöllen, einen Exportstopp für EU-subventionierte Hähnchenteile oder Milchpulver nach Afrika. Die EU muss selektiv Geld nur noch bei Gegenleistungen verteilen. Europa muss sich mehr um Afrika kümmern - und die Zeit wird knapp.


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