22 500 Fälle von Inobhutnahme Terre des Hommes warnt vor Ausgrenzung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge

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Unbegleitete minderjährige Flüchtlingskinder: Die Kinder- und Jugendhilfe sorgt für deren Integration. Foto: Uli Deck/dpaUnbegleitete minderjährige Flüchtlingskinder: Die Kinder- und Jugendhilfe sorgt für deren Integration. Foto: Uli Deck/dpa

Osnabrück. Anlässlich der jüngsten Zahlen zur Inobhutnahme minderjähriger Flüchtlinge fordert die Kinderschutzorganisation Terre des Hommes die Politik auf, den Schutzbedarf von Flüchtlingskindern stärker in den Mittelpunkt zu stellen und von einer Erstunterbringung in Ankerzentren abzusehen.

„Wir appellieren an die Bundesregierung, unbegleitete Minderjährige nicht schlechter zu stellen, etwa durch Änderungen bei den Leistungen oder eine Erstunterbringung in Ankerzentren“, sagte Ursula Gille-Boussahia, Vorstand des Kinderhilfswerks, unserer Redaktion. Die Kinderschützer warnen vor der Aufweichung rechtsstaatlicher Prinzipien und einer Stigmatisierung der jungen Menschen: „Die schrecklichen Taten einzelner rechtfertigen keine Diffamierung oder Schlechterstellung einer ganzen Gruppe“, mahnt TdH-Vorstand Gille-Boussahia in Anspielung auf von jungen Flüchtlingen begangene Straftaten.

In einem gemeinsamen Appell mit 53 Fachverbänden der Kinder- und Jugendhilfe, Menschenrechtsorganisationen und Flüchtlingsräte warnt Terre des Hommes vor einer öffentlichen Debatte, die die Erfolge der Kinder- und Jugendhilfe bei der Arbeit mit unbegleiteten Minderjährigen „in Frage stellt oder schlecht macht“. Die Kinder- und Jugendhilfe erbringe zusammen mit den Betroffenen „eine große Integrationsleistung“, sagte Gille-Boussahia weiter.

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Jugendämter rund 61 400 Kinder und Jugendliche zum Schutze des Kindeswohles zeitweise aus ihren Familien genommen. Dabei gab es rund 22 500 Inobhutnahmen infolge unbegleiteter Einreise. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Vorjahr waren noch fast 45 000 reguläre Inobhutnahmen minderjähriger Flüchtlinge gemeldet worden. Aufgrund gesetzlicher Neuregelungen sind die Zahlen aber nur begrenzt vergleichbar.

Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, wurden die Inobhutnahmen überwiegend von sozialen Diensten und Jugendämtern (58 %) angeregt. In 17 Prozent aller Fälle hatten Kinder und Jugendliche selbst Hilfe beim Jugendamt gesucht. Bei weiteren 14 Prozent der Inobhutnahmen machten Polizei oder Ordnungsbehörden auf die Problemsituation aufmerksam, in sechs Prozent die Eltern der betroffenen Minderjährigen. Die übrigen Schutzmaßnahmen (fünf Prozent) erfolgten aufgrund von Hinweisen Anderer, zum Beispiel von Ärztinnen oder Ärzten, Lehrpersonal oder Verwandten.


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