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21.08.2018, 16:08 Uhr KOMMENTAR

Malaysia sagt Projekte mit China ab - verständlich

Kommentar von Thomas Ludwig

Alle Wege führen nach China, auch auf der Schiene - das wünschen sich die Herrscher in Peking. Foto: Federico Gambarini/dpaAlle Wege führen nach China, auch auf der Schiene - das wünschen sich die Herrscher in Peking. Foto: Federico Gambarini/dpa

Osnabrück. Malaysia zieht beim Seidenstraßen-Projekt der Chinesen die Notbremse - und steigt aus. Man wolle, sagt der Regierungschef, keine Situation, in der es eine neue Version von Kolonialismus gebe. Die Sorge ist all zu verständlich.

Mit Malaysia muckt ein Land gegen Chinas expansive Seidenstraßen-Politik vernehmbar auf. Das ist erstaunlich. Denn jenen, die mitziehen, verspricht die gewaltige chinesische Finanzkraft Entwicklung und Prosperität. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille.

Zuvorderst geht es bei dem 2013 von Staatschef Xi Jinping aus der Taufe gehobenen Prestigeprojekt darum, neue Absatzmärkte für heimische Produkte zu schaffen und die Staaten entlang Chinas alter Handelsrouten politisch an sich zu binden. So will China auch strategisch weltweit vordringen. Dabei agieren die Machthaber mit ordentlich Chuzpe, in dem sie Partnerstaaten an den Kosten beteiligen, China aber über Gebühr profitiert. Das lässt sich beklagen oder kontern, wie es Malaysia versucht.

Turbokapitalismus unter strenger Kontrolle der KP

Ein Beispiel für Europa muss das nicht sein. Es sollte die Europäer aber daran erinnern, selbstbewusst gegenüber Peking aufzutreten und sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Längst strecken staatlich kontrollierte Firmen aus dem Reich der Mitte ihre Fühler in Europa aus. Das darf nicht im Ausverkauf europäischer Industrie enden. Deshalb ist es richtig, Firmenzukäufe in sensiblen Sektoren staatlich im Auge zu behalten und im Fall der Fälle zu verhindern. Auch ist es nicht im Sinne Europas für die Versorgung der Bürger wichtige Infrastruktur an China zu verscherbeln. Peking betreibt Turbokapitalismus unter Kontrolle der Kommunistischen Partei. Dem darf sich Europa nicht unterwerfen. Malaysias Notbremse sollte Warnung sein.


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