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19.08.2018, 17:27 Uhr ANLAUF ZUR STABILISIERUNG SYRIENS

Treffen von Merkel und Putin: Stunde des Pragmatismus

Kommentar von Erhard Böhmer

Betont sachlich präsentierten sich Wladimir Putin und Angela Merkel bei ihrem kurzen Auftritt vor Medienvertretern. Foto: AFPBetont sachlich präsentierten sich Wladimir Putin und Angela Merkel bei ihrem kurzen Auftritt vor Medienvertretern. Foto: AFP

Osnabrück. Trotz aller Reibereien im gegenseitigen Verhältnis setzt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die Zusammenarbeit mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Ein überschwänglicher Bussi-Auftritt war in Zeiten eines angespannten Verhältnisses zwischen Deutschland und Russland nicht angebracht und hätte bei diesen Politiker-Typen aufgesetzt gewirkt. So zeigten sich Angela Merkel und Wladimir Putin in Meseberg gewohnt sachlich.

Das muss kein schlechtes Zeichen sein. Auch nicht, dass zunächst wenig aus den Gesprächen der beiden Staatenlenker nach außen gedrungen ist. Unerwartet positiv ist der neue Ansatz, für das gebeutelte Syrien gemeinsam mit Frankreich und der Türkei nach Lösungen zu suchen. Klugerweise ist im Moment nicht von Friedensschluss und schnellem Wiederaufbau die Rede, sondern erst mal nur pragmatisch von Schritten zur Stabilisierung. Der neue Anlauf dokumentiert, dass eine Zukunft für Syrien nur gemeinsam mit Putin gestaltet werden kann, womöglich auch unter Beteiligung von Machthaber Baschar al-Assad. Andererseits wenig überraschend, dass beim neuen Syrien-Format die Trump-USA nicht dabei sind.

Zuversichtlich stimmen auch die Signale, dass es in Sachen Ostukraine alsbald Fortschritte geben könnte. Mit einer UN-Friedensmission müssten alle Seiten leben können. Damit wäre ein wichtiger Schritt zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und Europa gemacht und nebenbei der Weg zur Beendigung der Sanktionen geebnet.


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