Allein Niedersachsen mit 980 Millionen Euro Dürre: Acht Länder melden fast drei Milliarden Euro Schäden

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Ein vertrockneter Kartoffelacker in der Grafschaft Bentheim. Foto: Dirk FisserEin vertrockneter Kartoffelacker in der Grafschaft Bentheim. Foto: Dirk Fisser

Osnabrück. Die von den Bundesländern an die Bundesregierung gemeldeten Dürreschäden in der Landwirtschaft belaufen sich mindestens auf fast drei Milliarden Euro. Das ergeben die Meldungen aus acht Ländern – darunter Niedersachsen mit 980 Millionen Euro.

Die größte Summe meldete demnach Niedersachsen mit 980 Millionen Euro nach Berlin. Der Betrag setzt sich zum einen aus Schätzungen der Landwirtschaftskammern in Niedersachsen aber auch aus feststehenden Schäden bei bereits abgeernteten Feldfrüchten zusammen. So wird der Verlust allein bei Weizen in dem norddeutschen Flächenland mit 136 Millionen Euro beziffert, erfuhr unsere Redaktion aus gut informierten Kreisen. Bei Weiden, die Futtergrundlage für Nutztiere wie etwa Milchkühe, soll der Schaden auf 190 Millionen Euro geschätzt worden sein.  (Weiterlesen: Das Land vertrocknet: Wie Bauern unter der Dürre leiden)

 Mecklenburg-Vorpommern hatte der Bundesregierung in den vergangenen Tagen 531 Millionen Euro gemeldet, Schleswig-Holstein 422 Millionen. Damit belaufen sich die Schäden allein in Norddeutschland auf womöglich 1,933 Milliarden Euro. Zudem meldeten Sachsen 308 Millionen, Brandenburg 260 Millionen, Rheinland-Pflanz 180 Millionen, Hessen 150 Millionen und das Saarland 5,3 Millionen Euro Schaden aufgrund der langanhaltenden Trockenheit in diesem Sommer. Das teilten die jeweiligen Agrarministerien unserer Redaktion mit.

Das Futter auf Milchviehbetrieben wird knapp. Foto: Dirk Fisser

Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied sagte unserer Redaktion: „Das derzeitige Schadensbild von nur acht Bundesländern bestätigt unsere Befürchtungen.“ Die Schäden seien enorm, etliche Betriebe seien in Existenznot. „Deshalb fordern wir Bundesländer und Bund auf, die Nothilfesituation zu erklären und ein Hilfsprogramm für die betroffenen Landwirte auf den Weg zu bringen“, sagte Rukwied.

Der Bauernverband hatte bereits vor einigen Wochen Hilfsgelder in Höhe von etwa einer Milliarde Euro für notleidende Landwirte ins Spiel gebracht. Die Forderung ist auch unter Bauern umstritten. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet aktuell unter Berufung aus Quellen aus dem Bundesfinanzministerium, dass es so hohe Hilfszahlungen wohl nicht geben wird. "Wir werden weit unter dieser Summe bleiben", wird ein Experte aus der Behörde zitiert. Vielmehr werde sich die Regierung an der Größenordnung der Hilfen des Hitzesommers 2003 orientieren - damals hatten Bund und Länder jeweils knapp unter 40 Millionen Euro gezahlt. 

Am Mittwoch soll Klarheit herrschen

Die Bundesländer haben bis Donnerstagabend weitere Zahlen nach Berlin gemeldet. Dabei soll es sich um besonders betroffene Betriebe handeln, die wohl am ehesten mit finanzieller Unterstützung rechnen dürfen. Der Bauernverband hatte die Bundesregierung aufgerufen, den Notstand auszurufen. Das wäre die Voraussetzung dafür, dass der Bund erneut mit Geldern hilft. Ansonsten wären allein die Länder gefragt. Klöckner hatte zuletzt immer wieder betont, die Meldungen aus den Bundesländern abwarten zu wollen. „Eine nationale Notlage ruft man nicht nach Gefühl aus“, so die Ministerin.

Am Mittwoch will sie dem Kabinett eine Dürre-Bilanz vorlegen. Danach wird mit der Bekanntgabe von möglichen Hilfsmaßnahmen gerechnet. Fast zeitgleich will der Bauernverband eigene Zahlen zur Ernte präsentieren.   (Weiterlesen: Bund will nächste Woche Ausmaß der Dürreschäden bewerten)


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