"Wenig Expertise bei Gift-Terror" Bundesamt: Deutschland auf große Krisen schlecht vorbereitet

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger. Foto: dpaDer Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger. Foto: dpa

Osnabrück. Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sieht Deutschland schlecht auf große Krisenlagen vorbereitet. Im Interview sagt er: „Die Selbstschutz- und Selbsthilfefähigkeiten der deutschen Bevölkerung für den Krisen- oder Katastrophenfall sind unzureichend.“

Dabei steige beispielsweise im Zuge des Klimawandels das Risiko von Hitzeperioden und schweren Unwettern. „Ich sehe Nachholbedarf, was die Infrastruktur angeht. Sind Strommasten robust genug, ist die Trinkwasserversorgung sicher genug für stärker werdende Unwetter?“, fragte der Behördenchef. „Fest steht: Es wird insgesamt ungemütlicher.“ (Weiterlesen: Klimawandel, Terror, Krieg – Bürger nicht ausreichend vorbereitet)

Bei einer Krise müssten die Menschen Eigenverantwortung übernehmen und sich selbst versorgen können. „Es reicht nicht aus, im Ernstfall mit dem Finger auf den Staat zu zeigen. Die Erwartung ist unrealistisch, dass der Staat im Krisenfall schon alles managen werde“, so Unger.

28 Liter Flüssigkeit pro Kopf

Das Bundesamt empfiehlt derzeit noch, Lebensmittelvorräte für zwei Wochen zu Hause vorzuhalten – etwa 28 Liter Flüssigkeit pro Person. Unger räumte ein, dass die wenigsten Bürger mangels Stauraum solche Mengen lagerten. Daher werde seine Behörde die Empfehlung auf einen Bedarf für zehn Tage reduzieren. Er bemängelte zudem, dass viele Bürger nicht wüssten, wie Erste Hilfe funktioniert oder ein Feuer effektiv gelöscht wird. Unger: „Es geht aber auch um Nachbarschaftshilfe.“ Es müsse klar sein, ob Nachbarn im Notfall Hilfe bräuchten.

Kritisch sieht Unger auch die mangelnde Vorbereitung auf Terroranschläge mit Gift oder Kriegswaffen: „Hinsichtlich der aktuellen Terrorgefahren muss Deutschland dringend Maßnahmen im gesundheitlichen Bevölkerungsschutz treffen.“ Der Einsatz von biologischen oder chemischen Kampfstoffen, wie er offenbar in Köln mit Rizin geplant war, träfe viele Einsatzkräfte in Deutschland unvorbereitet.

„Bei Feuerwehren, aber auch in Krankenhäusern und Rettungsdiensten fehlt es hier an Expertise“, sagte Unger. Dass die Gefahr real sei, habe die Razzia im Rheinland, aber auch der Nowitschok-Fall in England gezeigt.

Das gelte auch für den Einsatz von Kriegswaffen wie etwa bei den Terroranschlägen 2015 in Paris, als Terroristen mit Kalaschnikows schossen. „So eine Kriegswaffe verursacht ganz andere Verletzungen als eine Pistole. Darauf müssen Rettungskräfte vorbereitet werden“, sagte Unger. Dazu brauche es eine Ausbildung und spezielle Ausrüstung auf Rettungswagen. Deutschland müsse in Sachen Katastrophenschutz insgesamt besser werden.


Das sollten Sie auf Vorrat zu Hause haben

Vorrat für eine Person für zwei Wochen:

Getränke: 28 Liter

Getreide, Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis: 4,9 Kilogramm

Gemüse, Hülsenfrüchte: 5,6 Kilogramm

Obst, Nüsse: 3,6 Kilogramm

Milch, Milchprodukte: 3,7 Kilogramm

Fisch, Fleisch, Eier: 2,1 Kilogramm

Fette, Öle: 0,5 Kilogramm

Quelle: www.ernaehrungsvorsorge.de

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN