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15.08.2018, 16:52 Uhr KOMMENTAR

Missbrauchsskandal in katholischer US-Kirche: Das Leid der Kinder

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Die Opfer leiden lebenslang: Ermittlungsbehörden im US-Bundesstaat Pennsylvania haben erschütternde Details über das Ausmaß von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche der USA ans Licht gebracht. Foto: Matt Rourke/AP/dpaDie Opfer leiden lebenslang: Ermittlungsbehörden im US-Bundesstaat Pennsylvania haben erschütternde Details über das Ausmaß von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche der USA ans Licht gebracht. Foto: Matt Rourke/AP/dpa

Osnabrück. In all den Missbrauchsskandalen der katholischen Kirche ist der jetzt vorgelegte Bericht der wohl umfassendste: Er enthält die Taten von mehr als 300 Priestern im US-Staat Pennsylvania an rund 1000 Kindern. Und er beleuchtet akribisch, wie die Verantwortlichen die Verbrechen gezielt vertuscht haben. Ein doppelter Skandal.

Seit fünfzehn Jahren erschüttern Missbrauchsskandale die katholische Kirche, und es scheint kein Ende in Sicht. Der neueste Bericht aus Pennsylvania, nach dem mehr als 300 Priester über 1000 Kinder missbraucht haben, ist zwar einer der furchtbarsten, doch er wird nicht der Letzte gewesen sein. Der Grund: Weiterhin vertuscht der Apparat Kirche die Schandtaten ihrer Priester. Das ist skandalös.

Ein Beispiel: Noch kurz vor der Veröffentlichung des Berichts hat der US-Zweig der katholischen Kirche versucht, per Gerichtsbeschluss Details schwärzen zu lassen. Mit Erfolg: Der Bericht ist lückenhaft.

Viele Opfer leiden deswegen doppelt: unter den Verbrechen sowie unter der fortgesetzten Vertuschung. Transparenz geht anders.

Verantwortlich sind die Obersten der Kirchenhierarchie. Deshalb müssen auch die Konsequenzen von ganz oben erfolgen. Papst Franziskus muss endlich durchgreifen und alle – Täter, Mitwisser und Vertuscher – ihrer Posten entheben und bestrafen. Außerdem sollte er darauf drängen, Gesetze zur Verjährung bei Kindesmissbrauch weltweit aufzuheben. Nur so ist größtmögliche Ahndung möglich.

Das Leid der Kinder macht das nicht ungeschehen. Doch die Zeit, Täter zu schützen, muss ein für alle Mal ein Ende haben.

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