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13.08.2018, 19:15 Uhr KOMMENTAR

Zwei Großmannspräsidenten wetteifern um Geltung

Kommentar von Thomas Ludwig

Können vor allem eins: gegeneinander stänkern. US-Präsident Donald Trump und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan im Juli beim Nato-Gipfel in Brüssel. Foto: Tatyana Zenkovich/AFPKönnen vor allem eins: gegeneinander stänkern. US-Präsident Donald Trump und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan im Juli beim Nato-Gipfel in Brüssel. Foto: Tatyana Zenkovich/AFP

Osnabrück. Da streiten sich die Türkei und die USA um zwei Geistliche - und nehmen in Kauf, dass ganze Volkswirtschaften Schaden nehmen. Und das unter Nato-Partnern. Rücksichtsloser und dümmer geht es kaum.

Schuld sind immer die anderen. Die „Kraftmeierei“ der USA sei verantwortlich für die Krise in seinem Land, wettert der türkische Präsident. Das ist Unsinn.

Die Türkei hat den Aufschwung vergangener Jahre auf billiges Geld und Pump gebaut. Gleichzeitig blieben Strukturreformen in der Wirtschaft aus. Nun fliehen Investoren, weil ihnen der Erdogan’sche Einfluss auf Wirtschaft und Geldpolitik zu unberechenbar geworden ist.

Wer Sprüche klopft wie „Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, haben wir unser Volk, unseren Gott“ und kritischen Berichterstattern einen Maulkorb verpasst, darf sich über schwindendes Vertrauen der Märkte nicht wundern. Für Schadenfreude besteht aber kein Anlass. Europa respektive Deutschland sind auf Gedeih und Verderb mit der Türkei verbunden. Das Land ist geostrategisch und in der Flüchtlingspolitik zu wichtig, als dass man sich abwenden könnte. Zudem wurde der Aufschwung mit Milliardenkrediten europäischer Banken finanziert.

Europas Diplomatie tut also gut daran, die Gemüter der Nato-Partner USA und Türkei zu kühlen, bevor die Großmannspräsidenten in Washington und Ankara noch mehr Porzellan zerschlagen. Seit Jahren kokettiert Ankara damit, sich aus der westlichen Einflusssphäre zu verabschieden. Ob die Hinwendung zu Russland und China den Türken besser bekommt? Im Interesse Europas wäre ein geopolitischer Partnerwechsel nicht.


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