In der Fraktion umstritten Droht Kauder Dämpfer bei Vorstandswahl?

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Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, stellt sich erneut zur Wiederwahl. Foto: dpaVolker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, stellt sich erneut zur Wiederwahl. Foto: dpa

Berlin Volker Kauder sieht entspannt aus. Die Sommerpause tat ihm offenbar gut nach dem erbitterten Streit der Union über die Flüchtlingspolitik. „In den Abgrund habe ich dabei nicht geblickt“, wiegelt er rückblickend ab. Das könnte aber am 25. September passieren. Wenn Kauder an jenem Tag im 13. Amtsjahr erneut als Chef der CDU/CSU antritt, droht ihm möglicherweise eine Schlappe.

Was ist passiert? Auch wenn mancher Beobachter schon Entwarnung gibt: Der Frust über den Migrationskurs von Kanzlerin Angela Merkel könnte sich an der Person Kauder entladen. Kritiker kreiden dem Baden-Württemberger an, sich zum Erfüllungsgehilfen Merkels gemacht und Gegenpositionen in der Fraktion abgebügelt zu haben. Andere wünschen sich schlicht und einfach Verjüngung, Kauder wird am 3. September 69 Jahre alt.

„Kauder wird einen gehörigen Dämpfer bekommen. Für 70 Prozent langt es nicht“, prophezeit ein Insider. Nach seinen Worten erwartet die 246-köpfige Bundestagsfraktion von CDU/CSU einen Vorsitzenden, der Selbstbewusstsein verkörpert und bei Bedarf auch Widerworte gibt, diese aber auch selbst akzeptiert. Vor allem Vertreter des Wirtschaftsflügels haben gespürt, dass sie mit Kritik nicht gut ankommen.

Tatsächlich hat Kauder schon im letzten Jahr nur 77,3 Prozent bekommen und damit unmittelbar nach der Bundestagswahl Blessuren erlitten. Zum Vergleich: Mit einer Zustimmung von 97,4 Prozent hatte er vier Jahre zuvor sein bisher bestes Ergebnis erreicht.

Gibt es einen Gegenkandidaten? Mit offenem Visier fordert keiner den dienstältesten Fraktionsvorsitzenden heraus. Aber mittlerweile kursieren Namen für einen möglichen Nachfolger, sollte Kauder bei der Wahl scheitern. In Gesprächen werden derzeit am häufigsten die Namen Ralph Brinkhaus (50 ) und Carsten Linnemann (41) genannt. Beide kommen aus Ostwestfalen, beide sind ehrgeizig. Der aus Wiedenbrück stammende Wirtschaftsprüfer Brinkhaus hat sich als Finanzfachmann einen guten Ruf erworben. Linnemann ist Fraktionsvize und Chef der Mittelstandsvereinigung. Er hat sich als Wirtschaftspolitiker einen Namen gemacht und tritt wortgewandt in den Medien auf. Allerdings reagiert Linnemann auf Parteitagen bei heftigem Gegenwind oft nervös. Aber auch Jens Spahn (38) und Hermann Gröhe (57) gelten als potenzielle Kandidaten. Auch sie kommen aus dem größten CDU-Landesverband NRW.

Was sagt Kauder selbst? „Ich bin recht zuversichtlich, dass ich wiedergewählt werde“, meinte der Fraktionschef unserer Redaktion. Er glaube, dass er „noch einiges beitragen kann zum Erfolg dieser Großen Koalition“. Deshalb bewerbe er sich erneut. Gut möglich, dass seine demonstrative Gelassenheit auf einer uralten Erfahrung beruht. Vor wichtigen Ereignissen gibt es in der Union immer viel Unruhe und Spekulationen. Ist es dann so weit, traut sich keiner aus der Deckung.


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