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13.08.2018, 15:02 Uhr KOMMENTAR ZU BAYER-AKTIE

Bayer und Monsato: Den Hass mitgekauft

Kommentar von Katharina Ritzer

Seit Jahren wird gegen den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat demonstriert wie hier im Juni 2016 vor der EU-Kommission in Berlin. Ein Gerichtsurteil aus den USA bringt nun den Konzern Bayer an der Börse in Bedrängnis. Foto: dpa/Kay NietfeldSeit Jahren wird gegen den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat demonstriert wie hier im Juni 2016 vor der EU-Kommission in Berlin. Ein Gerichtsurteil aus den USA bringt nun den Konzern Bayer an der Börse in Bedrängnis. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Osnabrück. Ein Gericht in den USA hat den frisch von Bayer übernommenen US-Saatgutkonzern Monsanto wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken des Glyphosat-Unkrautvernichters Roundup verurteilt. Monsanto soll einem Krebspatienten Schadenersatz in Höhe von 254 Millionen Euro zahlen. Die Bayer-Aktie stürzte daraufhin um zehn Prozent ab. Aber das ist freilich nicht das einzige Risiko. Ein Kommentar.

Der ganze Hass, der dem US-Agrarchemie-Riesen Monsanto seit Jahren entgegenschlägt, zeigt sich in Bezeichnungen wie „Mutanto“ oder gar „Monsatan“. Diesen Hass hat Bayer mitgekauft, als die Leverkusener 63 Milliarden Dollar für Monsanto bezahlt haben. Und neben dem Hass war auch noch ein gewaltiges Prozessrisiko Teil des Deals – wie groß dieses Risiko ist, hat sich jetzt beim ersten Urteil wegen eines umstrittenen Unkrautvernichters gezeigt.

Seit 1974 hat Monsanto das Mittel Roundup in 130 Ländern verkauft. Dabei ist das Breitbandherbizid natürlich wieder und wieder überprüft und wieder und wieder für unbedenklich erklärt worden. Bis die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung 2015 zum Schluss kam, Roundup sei „wahrscheinlich krebserregend“. Wogegen die WHO selbst, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und viele andere gemeinsam festgestellt haben, das Roundup bei ordnungsgemäßer Anwendung nicht schädlich sei.

Wie sollen bei dieser äußerst komplizierten wissenschaftlichen Gemengelage denn ein paar Geschworene, also Laien, die Wahrheit erkennen können? Deshalb tut Bayer gut daran, bei seiner klaren Linie zu bleiben, wonach Roundup ungefährlich sei. Wobei dieser Fall eines auch deutlich macht: Durch die Konzentration bestimmter Branchen auf nur ganz wenige weltweite Giganten wiegt jeder ihrer Fehler so schwer wie nie zuvor. Als Gefahr für den Aktienkurs, das auch. Aber, und das ist natürlich viel schlimmer, als Gefahr für Mensch und Umwelt.


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